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iPhone 5 und die Präsentation

Wenn jeder drüber schreibt, will ich auch drüber schreiben. 🙂

Das iPhone 5 ist da und es ist ein echt tolles Gerät geworden. Natürlich: ich hab’s noch nicht in der Hand gehabt und alles was über das Gerät zu sagen ist basiert entweder auf der Präsentation oder Berichten von Leuten, die es in der Hand gehabt haben.

Tim Cook

Zunächst aber zur Präsentation an sich. Man muss wirklich dankbar dafür sein, dass Tim Cook sehr schnell erkannt hat, dass er kein Steve Jobs ist. Er hat diese langweilige, fast einschläfernde Art zu reden. Er war halt vorher der Finanzheini von Apple und so wirkt er auch bis heute. Tim Cook ist die Personifizierung des Sparkassenangestelltenklischees.
Abgerundet wird dieses Bild von seinem gespielten Enthusiasmus. Nein, gespielt ist das falsche Wort. Tim Cook freut sich sicherlich wahnsinnig über Apples Erfolg und die neuen Produkte etc. pp. — aber eher so nach innen. Auf der Bühne muss er diese Begeisterung und Freude natürlich auch nach außen darstellen – und das misslingt.
Aber immerhin hatte er einen guten Joke. 2011 hatte Apple mit dem iPad einen Markanteil von über 60% und trotz der ganzen Veröffentlichungen der Konkurrenz ist dieser 2012 sogar noch gewachsen. Mit seinen knapp 70% Marktanteil macht Apple dabei über 90% des Tablet-Web-Traffics aus. Und Cook fragt zu Recht: was machen die ganzen anderen Tablets den lieben langen Tag? Und stellt die Vermutung an, dass sie vermutlich in irgendwelchen Regalen rumliegen. Netter Seitenhieb.

Phil Schiller

Der eigentliche „Präsentator“ in der Post-Jobs-Ära ist Phil Schiller. Nicht nur ich habe ihn in der Vergangenheit als „Phil ‚The Filler‘ Schiller“ tituliert. Keine Ahnung, ob ich da der erste war – ist ja aber auch egal. Jedenfalls hatte ich jahrelang den Eindruck, dass Schiller immer die Parts einer Keynote übernehmen durfte, auf die Steve keinen Bock hatte. Inzwischen ist Schiller der große Zampano, der die die Produkte präsentieren darf. Immerhin ist er ja auch Senior Vice President of World Wide Marketing. Trotzdem und trotz all der Jahre Erfahrung ist die Bühne nicht so sein Element. Man merkt schon, dass Schiller aufgeregt, vielleicht sogar nervös ist wenn er auf der Bühne steht. Schiller ist aber auch seit Jahren vielen als „der nette Onkel aus der zweiten Reihe“ ans Herz gewachsen. Er wirkt so, als könne er keiner Fliege was zu Leide tun und dementsprechend hofft man, OK, zumindest hoffe ich jedes Mal, dass er heil durch seine Präsentation kommt ohne sich zu verhaspeln.

Auch er hatte zwei schöne Seitenhiebe für die Konkurrenz parat. Als um die Möglichkeiten der neuen Kamera im iPhone 5 ging und Bilder, die mit der Kamera gemacht wurden gezeigt wurden, wies Schiller noch mal deutlich darauf hin, dass diese Bilder nicht manipuliert wären. Nokia hatte sich erst letzte Woche bis auf die Knochen blamiert als heraus kam, dass die Fotos, die sie als Lumia-Fotos verkauften in Wirklichkeit mit einer Digitalen Spiegelreflexkamera gemacht wurden.

Gen Ende dann noch ein Schlag gegen Android generell: Apple macht „the best job in the industry“ wenn es Updates geht. iOS6 gäbe es für das iPhone 3GS, das 4, das 4S, natürlich das 5, aber auch das iPad 2, das neue iPad und sogar den zuletzt verkauften iPod touch — und das während man für sein Android-Telefon nicht selten schon nach 6 Monaten keine Updates mehr bekommt.

Scott Forstall

Scott habe ich immer als Jobs‘ Kronprinzen gesehen und das ist er auch immer noch ein Bisschen. Er hat diese locker-frische Art, für die Cook zu steif und Schiller oft zu angespannt ist. Forstall erlaubt sich quasi keine Patzer und liefert immer eine souveräne Vorstellung ab. Chapeau!

Jonathan Ive

OK, Ive ist vermutlich der neue Steve. Was so aus Berichten und Interviews hervorgeht ist Ive ein mindestens genau so großer Design- und Prinzipien-Nazi wie Steve es war. Und Ive ist derjenige, der sich mit Abstand am meisten über die eigenen Produkte freut. Wenn er in den Videos über die noch so kleinsten Verbesserungen spricht leuchten seine Augen. Apples Produkte sind seine Babys und aus ihm heraus spricht ein gewisser Vaterstolz.

Das iPhone 5

Jetzt aber zum iPhone selbst. Viele sind ja schon seit zwei Tagen am rumheulen, dass es nichts neues gab. Nee, ist richtig, ihr Deppen – das liegt v.a. daran, dass ihr euch 24/7 auf den Apple-Gerüchteseiten rumtreibt, um schon jedes noch so kleines Detail vorher zu erfahren. Dann darf es einen auch nicht wirklich überraschen, dass Apple einen nicht ständig auf’s Neue überrascht.

Apple hat sich dieses Mal vorwiegend um „Innereien“ und Software gekümmert. Klar, das Display ist größer geworden und das Gehäuse ist ein komplett neues, das noch um längen präziser gefertigt wird als alle Vorgänger (Ive sagte, man messe die Unterschiede zwischen einzelnen iPhones inzwischen in Mikrometern) – aber das weiß ja niemand zu schätzen. 🙂

Der neue A6-Chip im iPhone liefert in vielen Belangen eine um 100% verbesserte Leistung ab, verbraucht dabei aber weniger Energie als sein Vorgänger, was ja schon mal nicht schlecht ist.
Das iPhone an sich ist 18% dünner und 20% leichter geworden und obwohl das Display größer ist (und die Touchscreen-Technologie jetzt integriert hat, was vermutlich für einen Großteil der 18% verantwortlich zeichnet), ist auch das Volumen geschrumpft. Wie Schiller schon sagte: die Hauptaufgabe war es überhaupt erst mal die Leistung des 4S in dieses kleinere Gehäuse zu kriegen. Das ist Apple gelungen. Schiller: „we updated every aspect of the iPhone 5 […] over the 4S“ – und on top gab’s auch noch so einiges.

Das iPhone kann jetzt auch LTE, was bis zuletzt bezweifelt wurde. Dass aufgrund der verschiedenen Frequenzbänder nicht alle Netze in jedem Land unterstützt werden ist ein Haken, der aber vor allem darauf hinweist, dass mit dem LTE-Standard und/oder der Vergabe von Frequenzen was nicht stimmen kann. Wie zukunftsweisend kann ein Mobilfunkstandard sein wenn jeder Anbieter sein eigenes Süppchen kocht?
Für alle, die in einem nicht-iPhone-LTE-kompatiblen Netz hängen, gibt es Dual-Channel-HSPA, was auf über 20MBit/s kommen soll – also in etwa das, was die Telekom hier als Standard-LTE anbietet.

Die Kamera ist nochmals optimiert worden und hat jetzt eine kratzfestere Linsenabdeckung. Apple hat eine Panorama-Funktion integriert, die trotz der vielen Apps, die es dafür schon gibt, ihresgleichen zu suchen scheint. Die Kamera arbeitet jetzt besser in Situationen mit wenig Licht, ist 40% schneller (was wohl v.a. für die Software gilt), kommt mit integrierter Rauschunterdrückung/-verbesserung und kann jetzt bis zu 10 Gesichter gleichzeitig erkennen – und v.a., so vermute ich, auch auf diese fokussieren.

Auch im Audiobereich hat Apple einiges getan und bietet jetzt „wideband audio“ an. Eine Technologie, die uns endlich von dieser grottenschlechten Handy-Audioqualität befreien soll in dem ein deutlich höherer Frequenbereich abgedeckt wird. Natürlich muss dabei auch das Mobilfunknetz mitspielen. Weltweit tun dies 20 Anbieter, in Deutschland ist es, natürlich, die Telekom.
Zusätzlich wurden die wirklich durchschnittlichen Ohrstöpsel durch die neuen EarPods ersetzt. Eine Mischung aus traditionellen Ohrstöpseln und In-Ear-Kopfhörern mit einigen coolen Features für mehr Bässe und eben auch dafür, dass man, anders als bei In-Ears nicht völlig von der Umgebung abgeschottet ist.
Einzeln kosten die Dinger 30€. Allein vom Preis her kann man schon davon ausgehen, dass auch dieses Headset nicht High-End sein wird. Aber Apple verspricht ja auch „lediglich“ eine bessere Qualität und einen erhöhten Tragekomfort für mehr Menschen – und das werden sie wohl auch liefern.

Eins der größten Features ist sicherlich iOS6. Klar, das ist kein Alleinstellungsmerkmal, da auch die alten Geräte iOS6 bekommen – das eine oder andere Feature wird aber sicherlich iPhone5-exklusiv sein. Hierzu schreibe ich mal nichts, weil Scott Forstall eigentlich nichts neues im Vergleich zur Preview aus dem Sommer erzählt hat. 200 neue Features halt.

Und dann wurde noch der alte Dock-Connector abgelöst, was auch wirklich mal an der Zeit war. Der neue Port heißt „Lightning“ und ist deutlich schmaler und wohl auch flacher und ist deutlich Apple-iger: abgerundet und weiß und nicht mehr scharfkantig und blechern. Außerdem kann man ihn nicht mehr verkehrt herum in das Gerät stecken, er ist beidseitig benutzbar. Ja, das ist ein absolutes Detail – aber es wird noch mehr Menschen wie mich geben, die einen USB-Stecker eigentlich immer frühestens beim dritten Versuch richtig in die Buchse eingeführt bekommen. 🙂

Apple ist mit diesem Gerät wieder ganz vorne mit dabei. Lediglich das neue Lumia, das allerdings auch erst in einem Monat erscheint (und dann vermutlich auch nicht gleich weltweit) hat eine leicht höhere „Pixels-per-Inch“-Zahl, wie diese Tabelle anschaulich verdeutlichet

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