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Kategorie: Allgemein

Der verhasste Luther-Tag

Bei NDR Info hat sich Michael Fürst, der Präsident der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen zur geplanten Wiedereinführung des 31.10. als Feiertag geäußert:

Luther war aber auch ein Judenhasser. […] Wenn also der Staat allen Religionen einen Feiertag ‚ver- und vorschreiben‘ will, […], dann ist der ‚Luther-Tag‘ […] für die jüdische Gemeinschaft in unserem Lande ein Zumutung.

Ich bin kein übermäßiger Freund von Religionen. Auch der christlichen Religion nicht. Ich bin kein Fan von Luther. Dennoch halte ich die Argumentation für Abwegig. Gerade weil der „ehemaliger/letztes Jahr wieder/vielleicht auch ab jetzt jedes Jahr wieder“-Feiertag eben kein „Luther-Tag“, sondern ein „Reformations-Tag“ ist.

Man ehrt mit dem Tag nicht Martin Luther, sein Leben und Wirken und jede Silbe, die er jemals geäußert haben mag. Man gedenkt der Reformation, die ja nun wahrlich weitreichende Auswirkungen hatte. Natürlich ist die Reformation gerade (Vor allem? Nur?) in Deutschland eng mit Martin Luther verbunden.

Aber wie Feiern ja auch den 3.10. als „Tag der Deutschen Einheit“ und nicht als „Helmut-Kohl-Tag“, obwohl auch hier Person und Ereignis in engem Kontext stehen.

Überhaupt sei einmal gefragt, wie vielen Menschen, die jetzt für die Wiedereinführung des 31.10. als Feiertags skandieren, Religion und Luther dabei völlig egal sind. Vielen, wenn nicht gar den meisten, dürfte es primär darum gehen, einen Tag mehr frei zu haben.

Womit wir wieder bei dem Punkt wären, dass ich es ohnehin klüger fände, wenn man einfach alle gesetzlichen Feiertage mit religiösem Kontext abschafft und die Mindestanzahl freier Tage im Urlaubsgesetzt entsprechend erhöht. Verbunden mit der Regelung, dass jeder an „seinen“ religiösen Feiertagen Urlaub nehmen darf, ihm dieser also nicht vom Arbeitgeber versagt werden darf.

Dann können die Reformations- und Luther-Fans am 31.10. zuhause bleiben, Herr Fürst kommt am 5. Iljar (das wäre dieses Jahr der 19.04.), dem Israelischen Unabhängigkeitstag, um mal ein willkürliches Beispiel zu nennen, nicht zur Arbeit und ich arme, religionsfreie Seele bliebe am 12. Februar, dem Darwin-Tag zuhause.

Und überhaupt: geht’s nicht eigentlich nur darum, endlich mal einen Feiertag zu haben, den die Bayern nicht auch haben?

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Push-Mail mit dem eigenen (Debian-)Server

Einer der größten Nachteile, die ich durch den Umstieg auf einen eigenen Webserver erfahren habe, war der Verlust von Push-E-Mail. So ein normales Mail-System “kann” erst mal nur IMAP und das eigentlich inzwischen veraltete POP. Auf dem iPhone und iPad bedeutet das, dass man seine Mails entweder manuell abholen muss oder das das iPhone in einem fixen Zeit-Intervall automatisch tun lässt. Ersteres ist für mich völlig unpraktikabel, letzteres heißt, dass das iPhone, bzw. das Mail-Programm, alle 15 Minuten aktiv eine Verbindung zum Mail-Server aufbaut und sagt: Hallo ich bin Schacks iPhone, hier sind die Login-Daten, lass mich bitte rein. Der Server lässt den Zugriff geschehen, das iPhone sieht, dass es neue Mails gibt und nimmt diese mit oder sieht, dass es keine neuen Mails gibt und geht wieder.

Ich bekomme etwa 50 private Mails pro Tag. Selbst wenn die alle in ziemlich exakten 15-Minuten-Intervallen reinkämen, heißt das: Das iPhone hat pro Tag 96 15-Minuten-Intervalle zur Verfügung (24 Stunden mal 60 Minuten sind 1440 Minuten, das geteilt durch 15 sind 96). Von diesen 96 resultieren im Optimalfall nur 50 in einem “Oh, schau, eine neue E-Mail!”. Praktisch genau so viele Versuche sind Nieten. Nun bekomme ich zwischen 23:00 Uhr und 7:00 praktisch gar keine E-Mails. 32 von den 96 Viertelstunden fallen damit schon mal weg.…
Ihr seht worauf ich hinaus will: Ich wollte Push-Mail zurück haben.

Das habe ich lange nicht geschafft, weil ich mich komplett auf das sehr populäre Z-Push eingeschossen hatte. Das wollte aber irgendwie bei mir nicht. Und ich habe unterm Strich bestimmt zwei Personentage mit dem Problem verbracht.

Fast wie durch einen Zufall stieß ich dann endlich irgendwann auf D-Push, das in jedem gut sortieren Debian-Repository liegen sollte und sich somit praktisch automatisch installieren lässt.

Danach muss in der Datei d-push.conf, die in /etc/apache2/conf.d liegt nur noch folgender Abschnitt hinterlegt werden und es läuft erst mal:

<IfModule mod_alias.c>
 Alias /Microsoft-Server-ActiveSync /usr/share/d-push/index.php
</IfModule>

Wenn man SSL verwendet, dass man trotz Heartbleed und Co tun sollte, muss man noch folgendes Ergänzen:

 define('IMAP_PORT', 993);
 define('IMAP_OPTIONS', '/ssl/novalidate-cert');

Et voilà!

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Ein Hand voll Kieler hat gewählt.

Es ist mal wieder ein trauriger Abend für die Demokratie im Allgemeinen und für die Demokratie in Kiel im Besonderen. Rund 197.000 Wähler und Wählerinnen waren heute Aufgerufen, zum Einen über den neuen Oberbürgermeister Kiels und zum Anderen über die Ansiedelung von “Möbel Kraft” in Kiel zu entscheiden.
Ulf Kämpfer, der Gemeinschafts-Kandidat von rot/grün/blau setzt sich im ersten Wahlgang mit rund 63% der Stimmen gegen Stefan Kruber (CDU, 28%) und Detlef Hackethal (Einzelbewerber, 9%) durch. Das kling erstmal nach einem ordentlichen Ergebnis. Ist es ja eigentlich auch.

Erschreckend wird’s wie immer, wenn man das in “echte” Zahlen umrechnet. Denn die Wahlbeteiligung lang bei ziemlich genau 45,5%. Das heißt von den rund 197.000 möglichen Stimmen wurden überhaupt nur etwa 89.600 Stimmen abgegeben. Davon hat der neue Kieler OB Kämpfer 63%, also etwa 56.400 erhalten. “In echt” wurde er also nur von knapp 29% der Wahlberechtigten gewählt.

Ich weiß, dass man das so wirklich nicht rechnen kann. Ich mache es aber trotzdem mal (wieder): Wenn man von allen Kieler Einwohnern ausgeht (etwa 240000 – also inklusive derer, die nicht wählen durften), hat der Wahlsieger sogar nur etwa 23,5% der Stimmen auf sich vereinen können.

Für gewöhnlich würde ich hier wieder mein altbekanntes Argument auspacken, dass man vielleicht einfach alles beim Alten belassen sollte, wenn sich nicht mal ein Drittel der aufgerufenen Wählerschaft für einen neuen OB aussprechen kann. Aber dieses Mal war der OB-Sessel nach dem desaströsen Intermezzo von Frau Gaschke ja vakant und es muss jetzt einfach ein neuer her.

Es ist wirklich jammerschade, dass sich kaum jemand dafür interessiert, wer in den nächsten Jahren für viele Entscheidungen, die die Stadt, in der sie leben, betreffen verantwortlich zeichnen wird. Andererseits: Selbst ich als wahrlich politischer und politisch interessierter Mensch denke mir oft genug, dass es praktisch egal ist, wer den Hut auf hat. Bergab geht’s eh. Vielleicht wäre eine “negative Wahl” mal ein Modell, das frischen Wind in die Sache bringt. Dabei stimmte man nicht für einen Kandidaten, sondern verteilte Negativ-Stimmen an die Kandidaten, die man auf gar keinen Fall im OB-Sessel sehen möchte. Quasi ein Wahlzettel, der aussagt: Ob A oder B ist mir egal, Hauptsache nicht C und D. Und es gewinnt dann logsicher Weise derjenige, der am wenigsten Minus-Punke bekommen hat. Ich weiß nicht, ob das irgendetwas besser machen würde oder ob das vielleicht schon mal irgendwo ausprobiert worden ist. Aber wenn es der Mehrheit der Kieler ohnehin egal ist, wer Oberbürgermeister wird, hat man doch eigentlich genug Luft für Experimente, oder? 

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LaterPay. Geld verdienen mit Online-Journalismus

Richard Gutjahr hat heute verkündet, dass er sich mit LaterPay zusammengetan hat. Gemeinsam will man dafür sorgen, dass man endlich ehrliches Geld mit Online-Journalismus verdienen kann. Soll heißen: Leser bezahlen für gute Inhalte und nicht (mehr primär) Werber. Klingt so weit ganz gut, aber wie wollen Gutjahr und LaterPay schaffen, was sonst noch keiner geschafft hat?

Zum Glück setzt man weder auf ein weiteres bescheuertes Paywall- oder Metered-Modell, sondern auf ein, sozusagen, nachträgliches Micropayment. Anders als bei Flattr, wo man vorher Geld einzahlt und dass dann verteilt, kann man sich bei LaterPay Artikel wie auf einem Bierdeckel in der Kneipe “anschreiben” lassen. Immer wenn man einen bestimmten Betrag auf dem Deckel stehen hat, muss man zahlen, bevor man weiter lesen kann.

Gut für die Leser
Dabei richtet sich das Modell ganz nach den Bedürfnissen, der Leser, die auch jetzt schon zahlungswillig sind: Man muss nur noch für die Inhalte zahlen, die man auch wirklich konsumiert und es wird die Möglichkeit einer Rückgabe geben, wenn einem ein Produkt nicht gefällt. Das könnte dazu führen, dass sich die Qualität des Dargebotenen im Web nochmals merklich erhöht. Außerdem gelingt mit LaterPay die Einführung des bei Apps so beliebten Freemium-Modells. Man kann davon halten was man will, aber es ist ein echtes Erfolgsmodell. Denkbar ist zum Beispiel, Artikel gratis online zu stellen und zusätzliches Material (Statistiken, Videos, Audio-Files, …) erst nach einem Klick auf den LaterPay-Button zugänglich zu machen.

Gut für die Autoren/Verlage
Autoren und Verlage könnten damit vor allem zwei Dinge gewinnen. Zum Einen natürlich Geld, klar. Zum Anderen Einsicht darein, was wirklich attraktiv ist. Klar, aktuell erkennt man das an Klickzahlen. Oder auch nicht. Allzu oft werden im Web billige Klickstrecken produziert und noch so popelige Artikel hochtrabend angepriesen. Hauptsache der dumme Leser klickt und bekommt einmal kurz Werbung eingeblendet. Wenn Autoren und Verlage merken, wofür die Leute bereit sind, Geld zu bezahlen, können sie ihr Angebot auf die Vorlieben dieser Leute ausrichten.

Betrugsmöglichkeiten
Sicherlich wird es ziemlich schnell Trick geben, wie man LaterPay-Schranken umgehen kann. Die Frage ist, ob das nicht vielleicht sogar egal ist. LaterPay soll es denen, die ohnehin bereit sind, Geld für guten Journalismus zu zahlen, ebendies so einfach wie möglich zu machen. Die, die nicht zahlen wollen, hätten für den fraglichen Inhalt vermutlich so oder so nie im Leben bezahlt. So gesehen ist kein Geld verloren, wenn ein paar findige Leute ein Lock in der Mauer finden und es nutzen. Und wer weiß: Vielleicht kann man diese Leute ja mit der Qualität der eigenen Inhalte für sich gewinnen und mittelfristig zu zahlenden Lesern machen?

Schacknetz bleibt kostenlos! 🙂
Keine Sorge, mein Blog hier bleibt natürlich kostenlos. 🙂 Ich will hier ohnehin kein Geld verdienen, aber ich kenne da so zwei, drei “Medienhäuser” in Kiel, für die LaterPay sicherlich interessant sein könnte…

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