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Monat: Januar 2018

Der verhasste Luther-Tag

Bei NDR Info hat sich Michael Fürst, der Präsident der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen zur geplanten Wiedereinführung des 31.10. als Feiertag geäußert:

Luther war aber auch ein Judenhasser. […] Wenn also der Staat allen Religionen einen Feiertag ‚ver- und vorschreiben‘ will, […], dann ist der ‚Luther-Tag‘ […] für die jüdische Gemeinschaft in unserem Lande ein Zumutung.

Ich bin kein übermäßiger Freund von Religionen. Auch der christlichen Religion nicht. Ich bin kein Fan von Luther. Dennoch halte ich die Argumentation für Abwegig. Gerade weil der „ehemaliger/letztes Jahr wieder/vielleicht auch ab jetzt jedes Jahr wieder“-Feiertag eben kein „Luther-Tag“, sondern ein „Reformations-Tag“ ist.

Man ehrt mit dem Tag nicht Martin Luther, sein Leben und Wirken und jede Silbe, die er jemals geäußert haben mag. Man gedenkt der Reformation, die ja nun wahrlich weitreichende Auswirkungen hatte. Natürlich ist die Reformation gerade (Vor allem? Nur?) in Deutschland eng mit Martin Luther verbunden.

Aber wie Feiern ja auch den 3.10. als „Tag der Deutschen Einheit“ und nicht als „Helmut-Kohl-Tag“, obwohl auch hier Person und Ereignis in engem Kontext stehen.

Überhaupt sei einmal gefragt, wie vielen Menschen, die jetzt für die Wiedereinführung des 31.10. als Feiertags skandieren, Religion und Luther dabei völlig egal sind. Vielen, wenn nicht gar den meisten, dürfte es primär darum gehen, einen Tag mehr frei zu haben.

Womit wir wieder bei dem Punkt wären, dass ich es ohnehin klüger fände, wenn man einfach alle gesetzlichen Feiertage mit religiösem Kontext abschafft und die Mindestanzahl freier Tage im Urlaubsgesetzt entsprechend erhöht. Verbunden mit der Regelung, dass jeder an „seinen“ religiösen Feiertagen Urlaub nehmen darf, ihm dieser also nicht vom Arbeitgeber versagt werden darf.

Dann können die Reformations- und Luther-Fans am 31.10. zuhause bleiben, Herr Fürst kommt am 5. Iljar (das wäre dieses Jahr der 19.04.), dem Israelischen Unabhängigkeitstag, um mal ein willkürliches Beispiel zu nennen, nicht zur Arbeit und ich arme, religionsfreie Seele bliebe am 12. Februar, dem Darwin-Tag zuhause.

Und überhaupt: geht’s nicht eigentlich nur darum, endlich mal einen Feiertag zu haben, den die Bayern nicht auch haben?

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