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Wird Apples Aktienkurs künstlich niedrig gehalten?

Durch die englischsprachigen Technik-Blogs wanderte gestern ein Artikel von Joe Springer, der in deutschen Blogs fast gar keinen Widerhall fand.

Springer beschäftigte sich mit der Frage, weshalb Apples Aktienkurs zuletzt so auf Talfahrt und fand heraus: Er sieht die Schuld bei institutionellen Anlegern und so genannten „call options“ oder Aktien-Optionen.

Was sind Aktien-Optionen eigentlich? Bei Aktien-Optionen wettet man auf den Wert einer Aktie in relativ ferner Zukunft. Man kauft dabei keine Aktien, sondern für eine festgelegte Gebühr das Recht darauf am Fälligkeitstag die tatsächliche Aktie für den beim Optionskauf festgeschriebenen Betrag zu erstehen.

Die Kunden gewinnen wenn am Tag X der Börsenkurs über diesem Betrag liegt, die „Bank“ gewinnt wenn der Brösenkurs am Tag X unter diesem Betrag liegt. Ganz einfach eigentlich. Institutionelle Anleger haben somit natürlich ein enormes Interesse daran, den Kurs so weit wie möglich zu drücken.
Bei der Apple-Aktie, deren Kurs seit Jahren enorm auf Gerüchte reagiert, ist das vermutlich sogar einfacher als bei anderen Aktien.

Apple reduziert Display-Bestellungen wegen schlechter Verkaufszahlen. Wirklich?

In diesem Kontext könnte auch die Nachricht, dass Apple die Bestellungen für iPhone-5-Displays halbiert hätte, stehen. Eine Nachricht, die vollkommen losgelöst von Fakten ist wenn man ein mal genauer hinsieht. Es nämlich genug andere mögliche Gründe als schwache Verkaufszahlen des iPhone 5. Zum Einen ist das traditionell starke Weihnachts-Quartal, das auch das Veröffentlichungsquartal des iPhone 5 war, vorbei. Apple hat die neuen Telefone erst seit Kurzem als „Sofort Lieferbar“ im Online-Store, scheint also endlich ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage gefunden zu haben. Dass die benötigte Display-Anzahl sinkt ist dann völlig normal.
Möglich ist auch, dass die Qualität sich gesteigert oder verschlechtert hat. Apple lässt ja nicht nur bei einem Hersteller produzieren. Wenn der Hersteller von dem die Zahlen angeblich stammen nun aber die Ausschusszahl deutlich reduziert hat, würde dies in einer Verringerung der bestellten Displays führen. Genau so anders herum: Wenn sich die Ausschusszahlen bei diesem Hersteller weiter verschlechtert hätte, würde Apple vermutlich bei anderen Herstellern mehr beauftragen und bei diesem „schlechten“ Hersteller nur noch das absolut nötigste beauftragen.Gut, das nur nebenbei.

600.000.000 US-Dollar

Um wie viel Geld geht es bei diesen Aktien-Optionen denn eigentlich? Springer behauptet, dass es um Milliarden gehe. Er hat sich vorwiegend mit Optionen für ein Kursziel zwischen 550 und 800 Dollar beschäftigt. Allein hier wurden hunderttausende Optionen verkauft.

Wäre Apple bei 700 Dollar pro Aktie geblieben, hieße das allein für die über 60.000 Optionen auf einen Preis von 600 Dollar: Die Händler würden einen Verlust von 600 Millionen Dollar einfahren (bei 100 Aktien pro „call“).

Bei einem so niedrigen Preis wie derzeit, gewinnen die Händler all das Geld, für das sie die Optionen gekauft haben und werden auch noch von dem zu erwartenden Anstieg der Aktie in den nächsten Wochen und Monaten profitieren. Zum Einen, weil der Druck auf die Aktie nachlassen wird, wenn die Optionen abgelaufen sind, zum Anderen, weil neue Produkte ins Haus stehen und spätestens wenn sich die Gerüchte dazu verdichten, zieht die Aktie traditionell an.

Springer kommt zu dem Schluss, dass der wahnwitzige Anstieg der Apple-Aktie im Sommer zu großen Teilen daran liegt, dass Händler sich mit Aktien eingedeckt haben, um ihre call options bedienen zu können. Der aktuelle Absturz liegt demnach primär an dem (künstlichen) Druck auf die Aktie.

Einer dieser magischen Stichtage ist heute. Der 19.01.2013. Wir werden sehen, wie sich die Aktie in den nächsten Wochen entwickeln wird.

Ausgedachte Zahlen

Sollte Springer recht haben, ist das ein Paradebeispiel dafür, dass Aktienkurse häufig absolut nichts mit der Performance eines Unternehmens zu tun haben.

Aber das an der Börse und bei den diversen „Finanzexperten“ ohnehin oft nur mit Ausgedachtem gearbeitet wird ist ja schon länger klar. Auch hier ist Apple ein gutes Beispiel. „Analysten“ denken sich im Vorfeld von Apples „Financial Earnings Calls“ (der Veröffentlichung der Quartalszahlen) eigene Quartalszahlen aus. Werden diese von Apple übertroffen ist alles in Butter, reißt Apple diese Messlatte ist Land unter und man kann wieder für ein paar Tage überall „peak Apple“ lesen. Und das vollkommen losgelöst von dem Fakt, dass auch dieses „schlechte“ Quartal einen neuen Rekord in der Firmengeschichte aufgestellt hat. Na ja, so ist das eben.

Published inAllgemein

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