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Warum Musik-Streaming-Dienste scheiße sind

Ein neuer Trend, der um sich greift, ist das Hören von Musik über reine Streaming-Dienste wie Spotify, Simfy und wie sie alle heißen.
Für mich ist das nichts. Und das gleich aus mehreren Gründen.

 

Das gravierendste Argument für mich ist, dass es noch keinen Dienst gibt, der alle Metadaten aus iTunes importieren kann.
Ich pflege meine iTunes Mediathek seit Jahren ziemlich akribisch und achte natürlich auch auf Dinge wie Playcounts und Bewertungen. Unzählige meiner „Smart Playlists“ basieren auf diesen Kriterien (in Kombination mit anderen).
Diese Playlisten gingen mir alle komplett verloren, würde ich auf einen Streaming-Dienst umsatteln.

Daran schließt sich ein weiteres Problem an: bei den allermeisten dieser Dienste kann man iTunes-Playlisten importieren oder neue Playlisten anlegen. Schön und gut. Aber was ist, wenn so ein Dienst mal dicht macht, wie z.B. unlängst Grooveshark in Deutschland?
Kann man diese Listen irgendwie exportieren und bei der Konkurrenz wieder importieren? Und wie stelle ich sicher, dass Anbieter B überhaupt alle Songs anbietet, die in meinen Playlisten von Anbieter A sind?
Genau, man weiß das nicht so genau.

Nächster Punkt: wie viel (neue) Musik hört man wirklich? Einer der vehementesten Verfechter von Streaming-Diensten meines Dunstkreises hat ein Fotostudio, in dem regelmäßig Models rumhopsen. Da ist es sicherlich sinnvoll mit einem Klick die Billboard Top 100 starten zu können und sich danach keine GEdanken mehr um die Musik machen zu müssen. Wird schon irgendwie passen und letztlich dudelt’s eh nur im Hintergrund.
Und sicherlich: auch für mich als Privatmensch sind Streaming-Anbeiter gut, um neue Künstler zu finden. Aber wie viel davon hört man wirklich öfter?
Ist es da unter’m Strich vielleicht sogar günstiger, sich die Songs/Alben, die man wirklich mag weiterhin zu kaufen?
Gerade Neuerscheinungen sind bei Amazon häufig für 5€ als MP3-Album zu haben. Im Falle von Napster zahlt man 15€/Monat. So viele gute Alben kommen (für meinen Geschmack) pro Monat gar nicht raus, dass sich das lohnen würde.

Wenn ich mir meine iTunes Mediathek so anschaue, sind die am Häufigsten gespielten Interpreten Michael Jackson, die Beatles, R.E.M., Oasis, Nirvana, Alanis Morrisette und Bob Dylan. Und zwar mit weitem Abstand zum Rest. Von denen ist soooo viel Neues nicht mehr zu erwarten.
Warum sollte ich für die Nutzung derer Songs immer und immer wieder zahlen? Die Alben habe ich eh alle gekauft. Mit ewigem Abspielrecht zum Einmalpreis.

Was ich mit Songs, die ich von meinen eigenen CDs gerippt oder bei iTunes/Amazon digital gekauft habe, auch machen kann, was einem mit Spotify und Konsorten völlig abgeht: ich kann die Song-Datei einfach in eine Mail packen und an einen Kumpel schicken. Betreff: „Hör dir die mal an -> Konzert?!“ und ’ne halbe Stunde später hat man Tickets für deren Show bestellen.
Gerade bei den „late adopters“ im Freundeskreis wird das andernfalls eine ewige Diskussion. „Kennst du schon… Nee, noch nicht? Total Super, kannste dir bei Spotify… Wie, was das ist? Also, Spotify ist ein so genannter Streaming… Ja, genau, da musst du dich für anmelden…“

Dann ist da noch so ein Punkt, der mich aufregt: das Musikangebot. Da wird zwar geworben mit 13.000.000 Songs und dem neuesten heißen Scheiß. Aber was soll ich mit Track 1, 3, 4, 5, 8 und 11 vom neuen Adele-Album, weil der Rest in meinem Land nicht verfügbar ist?
Klar, da muss man dann nur „kurz“ Einstellen, dass man in den USA wohnt und schon geht das. Dafür kann ich dann aber das neue Kettcar-Album nur noch zur Hälfte hören (gerade ausgedachte Beispiele, weil ich keine Lust habe die echten Fälle zu recherchieren). 
Oh, und was mir im letzten Dänemark-Urlaub aufgefallen ist: mit einer dänischen IP-Adresse hat man dann gleich mal gar keinen Zugriff mehr auf das Musik-Angebot von Simfy. Da war ich dann doch ziemlich froh, dass ich schlau genug war, vor der Abreise ein paar GB an Musik auf mein MacBook zu schmeißen.

Und wenn den Streaming-Befürworten gar nichts mehr einfällt, um mich zu überreden, kommt das Argument, dass man damit ja so viel Festplattenplatz sparen würde und auch unterwegs immer alles dabei hätte.
Das ist erst mal sicherlich richtig. Das habe ich mit iTunes Match für 25€/Jahr(!) aber auch. Und zwar IMMER mit ALL meiner Musik und nicht nur der Teilmenge, die die GEMA gerade freigegeben hat.

Na ja, jedem das seine. Aber ich denke, ich habe da ein paar echt gute Argumente dagegen und finde, dass sich jeder, der mit dem Gedanken spielt einen Streaming-Dienst zu abonnieren, mal kurz über eben diese Argumente Gedanken machen sollte.

Published inAllgemein

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