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Von Ehen, Familien und wie das alles kaputt gemacht wird (oder auch nicht)

Ich bin ja kein Experte aber das hält mich natürlich nicht davon, mir nicht trotzdem Gedanken zu dem Themenkomplex um die Schlagworte „Homo-Ehe“, „Ehegattensplitting“ und „Kinder“ zu machen. Allerdings in dem Wissen, dass ich damit garantiert nicht dämlicher dastehen kann also so mancher Politiker der *hust*CSU*hust*. 🙂

Und wenn ich mir schon mal solche Gedanken mache, kann ich doch eigentlich auch gleich aufschreiben.

Macht doch was ihr wollt!

Solange alle Teilnehmer damit einverstanden sind sollen Menschen meinethalben in ihren Betten machen, was ihnen beliebt mit wem es ihnen beliebt. Das dürfte inzwischen weitestgehend gesellschaftlicher Konsens sein. Spannend wird es aktuell offensichtlich immer dann wenn Kinder ins Spiel kommen. Nach allem was man so hört, ist es für homosexuelle Paare in diesem Land wahrlich nicht einfach Kinder zu bekommen/adoptieren. Ich gebe zu: Ich war auch lange der Auffassung, dass ein Kind Mutter und Vater braucht. Nicht, weil ich nach tagelangen Überlegungen zu diesem Schluss gekommen wäre, sondern mehr so aus dem Bauch heraus. Im Rahmen der aktuell anhaltenden Diskussionen habe ich auch diese These mal für mich hinterfragt und bin zu einem gänzlich anderen Schluss gekommen.

Selbst wenn man eine „normale Ehe“ als das non-plus-ultra betrachtet – also in Bezug auf das Kindeswohl –, muss man doch erkennen, dass Kinder, die von Single-Müttern oder -Vätern großgezogen wurden, nicht automatisch verkorkst sind. Gleiches gilt für Kinder, die von gleichgeschlechtlichen Elternteilen großgezogen wurden. Gleichermaßen ist festzustellen, dass jede Menge verkorkste Typen in diesem Land gibt, die aus eigentlich „perfekten“ Haushalten kommen. Der Schluss liegt nahe, dass die Anzahl und Zusammensetzung der Elternteile keinerlei Auswirkung auf die Entwicklung der Kinder haben. Da geht es anscheinend eher um die Qualität der Erziehung und sonstige Umstände, wie z.B. die Qualität der Schule.
Damit spricht also erst mal nichts mehr gegen Kinder in „Homo-Ehen“.

Was heißt das für „normale Ehen“? 

Zunächst mal eine ganze Menge, wie dieses kleine Filmchen zeigt:

 

Spaß beiseite. Für Hetero-Ehen heißt das alles erst mal, dass sie nichts besonderes mehr sind. Es gibt keinen Grund, sie gegenüber Homo-Ehen besser zu stellen. „Aber im Gegensatz zu Homosexuellen könne Heterosexuelle für Nachwuchs sorgen und Deutschland braucht schließlich mehr Kinder!“ – Jo. Richtig. Aber die schiere Existenz von gleichgestellten gleichgeschlechtlichen Ehen führt doch nicht dazu, dass alle in Hetero-Ehen lebende Menschen entscheiden: „Wenn der Staat die genau so gut/schlecht behandelt wie uns, dann will ich keine Kinder mehr!“.

Senkt oder beeinflusst die Gleichstellung der Homo-Ehe mit der Hetero-Ehe die Qualität der herkömmlichen Ehe oder die Lebensqualität der daran beteiligten in irgendeiner Weise? Nein. Hebt es die Lebensqualität homosexueller Paare? Vermutlich schon. Man hat mit dieser Maßnahme also die Chance, das Leben vieler Menschen hierzulande positiv zu beeinflussen, ohne dafür erst mal auch nur einen einzigen Cent auszugeben. Womit wir beim nächsten Punkt wären.

Gleiches Geld für alle – nämlich nichts

Gleichgestellt heißt natürlich nicht nur gleichgestellt vor Recht und Gesetz, sondern auch vorm Fiskus. „Wo soll denn bitte das ganze Geld herkommen, wenn die jetzt ebenfalls Ehegattensplitting betreiben dürfen?“. Berechtigte Frage. Aus den finstersten Ecken der Union heißt es dazu, man müsse dann halt leider, leider, gegebenenfalls bei den Kindern, respektive am Kindergeld, sparen. Das ist natürlich nur ein perfider Trick, um a) die Diskussion schnell abzuwürgen und b) die Diskussion einer anderen Option gar nicht erst aufkommen zu lassen. Nämlich die um die Abschaffung des Ehegattensplittings.

Gleiches Geld für alle kann eben auch 0 Euro für alle heißen. Das Ehegattensplitting dient schließlich zur Entlastung von Familien und Familie ist, wo Kinder wohnen. Weder in einer Homo- noch in einer Hetero-Ehe handelt es sich aber per dieser Definition automatisch  um eine Familie. Ganz besonders in diesen geburtenschwachen Zeiten scheint mir die Ehe schon längst kein Garant mehr für Familie zu sein.

Man könnte durch die grundsätzliche Streichung des Ehegattensplittings also Unsummen einsparen. Natürlich müsste man da einen sanften Ausstieg finden und kann nicht von heute auf morgen das Ehegattensplitting für alle streichen. In vielen Fällen würde das vermutlich einen wirklich drastischen finanziellen Einschnitt bedeuten, der vielleicht sogar einen sozialen Abstieg bedeuten könnte. In diesen Zeiten, wo ohnehin alle davon ausgehen, dass alles immer schlimmer wird (und zwar auch für die jeweilige Person persönlich) wäre dies wohl ein falsches Zeichen.

Vielleicht könnte man auch das Ehegattensplitting grundsätzlich in seiner jetzigen Form beibehalten aber auf Familien (also Haushalte mit Kindern) beschränken und um den Betrag, der bei kinderlosen „Familien“ eingespart wird, aufstocken? Da müsste man dann mal genau recherchieren, was bürokratisch sinnvoller ist und bei welchem Modell am Ende das meiste Geld dort ankommt, wo es ankommen soll.

Und wer denkt an die Kinder?

Aber egal wo man diesen Schnitt macht, er würde ein Plus im Staatssäckel bedeuten. Und dieses Geld könnte man (mindestens teilweise) dahin stecken, wo es im Sinne der Familienförderung wirklich sinnvoll wäre. Nämlich in den Topf mit dem Kindergeld, das man dann erhöhen könnte. Und zwar um mehr als nur eine fast schon symbolische Aufstockung zum Inflationsausgleich. Obgleich wohl auch das nur stufenweise funktionieren würde, eben parallel zur schrittweisen Streichung des Ehegattensplittings.

Somit bleibt für den Staat natürlich nichts über, es gibt kein echtes Plus in der Bilanz. Aber es gibt eine sinnvolle und vermutlich weiten Teilen der Gesellschaft vermittelbare Umverteilung vorhandener Gelder. Und hinterher haben deutlich mehr Menschen, das was sie wollen. Alle dürfen heiraten wen sie wollen, die Familie behält (oder: gewinnt?) ihre besondere Stellung und wird sogar noch stärker gefördert als bisher.

Vermutlich ist das alles nichts neues. Aber jetzt habe ich’s auch noch mal gesagt. Oder besser geschrieben. Schacks gesellschafts- und politik-philosophische halbe Stunde am Abend. Vielleicht mache ich da beizeiten mal einen Podcast draus. 🙂

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