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TPB AFK und was mit Medien im Netz so schief läuft

Endlich ist sie da! Die Dokumentation über die Leute hinter und den Prozess um „The Pirate Bay“. Der Thematik angemessen hat der Macher Simon Klose den kompletten Film in Full HD (und anderen Auflösungen) natürlich auch in der Piratenbucht im Angebot. Und auf YouTube ist er natürlich auch zu haben.

Über den wirklich sehr gut gemachten Film will ich gar nicht so viel erzählen. Schaut ihn euch einfach an. Wer auch nur ein bisschen mit der Materie vertraut ist, wird einige Stellen recht erhellend finden. Wer die Pirate Bay bislang nur aus der Tagesschau und von Spiegel Online kennt, wird interessante Einblicke in eine „andere Welt“ erlangen.

IRL vs AFK

Die Schlüsselszene des Films ist für mich folgende: Peter Sunde wird gefragt, wann sich die Angeklagten denn zum ersten Mal „IRL“ getroffen hätten. Jemand anderes fragt nach, was das denn sei und der Fragesteller erklärt „in real life“, also „in echt“. Sunde erklärt, dass sie „IRL“ nicht verwenden würden. Sie sprechen von „AFK“ (einem anderen Chat-Kürzel, das für „away from keyboard“ bedeutet), da sie das Internet als real betrachten.
Diese Stelle bringt den ganzen Aufeinanderprall verschiedener Kulturen auf den Punkt und drückt das Lebensgefühl vieler, vor allem junger Menschen aus.

Die selben Fehler

Ich habe in der Folge noch mal darüber nachgedacht, was die Pirate Bay eigentlich so bedeutet. Die Pirate Bay (und natürlich auch ähnliche Angebote) sind nach wie vor die einzige Anlaufstelle, an der man Filme und Serien so erhält, wie man sie haben möchte: Zeitnah nach der Ausstrahlung, in Originalsprache, wahlweise mit Untertiteln und in bester Qualität.

Das kann man (vor allem) hierzulande nicht mal für Geld haben. Im Gegenteil: Wer hier Filme kauft ist der Dumme. Digitale Filme sind problematisch, da man sie nach wie vor nicht von der Platte löschen und später erneut herunterladen kann. Streaming-Angebote wie Lovefilm oder Watchever sind problematisch, weil sie die Filme nicht „bis in alle Ewigkeit“ vorhalten. Wenn ich dort heute einen Film gucke und toll finde, weiß ich nicht, ob ich ihn am Wochenende erneut mit Freunden gucken kann oder ob er dann schon wieder aus dem Angebot verschwunden ist.

Wenn ich wiederum eine DVD oder Blu-Ray kaufe, gibt es praktisch keinen legalen Weg, diesen Film irgendwo abseits eines DVD- oder Blu-Ray-Players (beispielsweise auf dem iPad oder Laptop) abzuspielen.

Die Film-Industrie macht exakt die selben Fehler der Musikindustrie erneut. Und damit sind sie nicht alleine – Buchverlage haben den selben Weg eingeschlagen und praktisch nichts aus dem jahrelangen Kampf der Musikindustrie gelernt.

Was muss passieren?

Man muss sich endlich dem Marktdruck beugen. Ich will Filme und Serien nicht geschenkt haben. Aber in der digitalen Zeit sind sie kein knappes gut. Nichts und niemand hindert HBO daran die eigenen Serien ein paar Stunden nach der TV-Premiere für, sagen wir, 2 US-Dollar zum Streamen und und 4 US-Dollar zum Download anzubieten.

Das Argument, das ich da immer höre ist, dass ihnen dann aber die Lizenzgelder internationaler TV-Sender durch die Lappen gingen. Das halte ich für kompletten Schwachsinn. Ich habe bislang nicht eine einzige Folge „Game of Thrones“ auf deutsch geguckt und all jenen, die Ihre Serien „illegal“ aus dem Netz beziehen, wird es ähnlich gehen. Das sind zwei komplett verschiedene Märkte. Wird der Online-Markt den TV-Markt irgendwann „kannibalisieren“? Ja, sicherlich! Ist das ein Problem für Produzenten dieser beliebten Serien? Absolut nicht!

Flatrates

Das Schlimmste ist allerdings, dass allen doch längst klar ist, wohin die Reise gehen wird. Die Musikindustrie hat es vorgemacht, respektive macht es gerade vor. Die unmittelbare Zukunft gehört Flatrate-Modellen wie Spotify. Wenn es ein Spotify für Filme und Serien gäbe, würde ich da liebend gerne signifikant mehr Geld als für Musikflatrates ausgeben. Und ich bin mir sicher, nein, ich weiß, dass ich damit nicht alleine wäre.

Wie aber überall krallt man sich mit allem was man hat krampfhaft an alten und veralteten Modellen fest…

Die Pirate-Bay-Dokumentation wurde derweil übrigens via Crowdfunding bezahlt.

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