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„The Mentalist“, „Red Moon“ und hohe Dichtkunst

Seit Folge 1 der ersten Staffel bin ich ein Fan von „The Mentalist„. Aufgrund von diversen dienstlichen wie privaten wie studiumstechnischen Verpflichtungen hänge ich momentan ein Bisschen hinterher und habe erst gestern Abend S03E09 „Red Moon“ sehen können.

Am Ende flüstert der sterbende Mörder der Hauptfigur, Patrick Jane, noch zwei Wörter entgegen, die ich beim besten Willen nicht verstehen konnte. So was nervt mich ja immer. Ich hab mir die Szene also noch ein paar Mal angeguckt und war mir dann irgendwann sicher, dass er „Tiger, Tiger“ sagt.

Aha, toll, bringt mich auch nicht weiter… oder doch? Irgendwie kommt mir das doch bekannt vor. Ein paar Stunden später fiel mir dann auf, dass Patrick Janes Gegenspieler, „Red John“, diese Worte auch schon mal verwendet hat. In einer früheren Folge, als er Jane an einen Stuhl gefesselt hatte.

Ein Bisschen Googlen half mir dann heraus zu finden, dass es nicht „Tiger, Tiger“, sondern „Tyger, Tyger“ heißt und der Anfang des Gedichts „The Tyger“ von William Blake ist. Obwohl ich Gedichtsinterpretationen in der Schule immer gehasst habe, hab ich mir dann doch mal ein paar Gedanken dazu gemacht.

Wirklich weiter gekommen bin ich da aber erst mal auch nicht. Bis ich die Wikipedia-Seite zu ihm las, wo ich dann auf seine Gedichtsammlungen „Songs of Innocence“ und „Songs of Experience“ stieß.

Die beiden Sammlungen sind quasi Gegenstücke. Es geht in beiden häufig um gleiche/ähnliche Themen, betrachtet aus zwei verschiedenen Perspektiven, so dass sie mal „innocent“ und mal „fearful“ wirken. Man kann alles im Leben immer von (mindestens) zwei Seiten betrachtet. Alles hat gute und schlechte Seiten.

Mit den Sammlungen versucht Blake das ganze Leben zu erklären. Im „Innocence“-Teil gibt es das Gedicht „Little Lamb“ in dem Blake fragt „Little Lamb, who made thee?“. Und die Antwort ist natürlich: Gott.
Im „Experience“-Teil steht besagtes Gedicht „The Tyger„. Dort fragt Blake „Did he who made the Lamb make thee?“

Und das erklärt auch fast schon alles. Gott hat sowohl das zahme, unschuldige Lamm, wie auch den großen, gefährlichen Tiger geschaffen. Zwei Seiten der Schöpfung. Es gibt Gut und Böse. So ist das nun mal. Ich denke, dass genau das der Punkt ist, den sich die Autoren von „The Mentalist“ bei Blake entliehen haben.
Allerdings kann ihnen der Punkt nicht allzu wichtig sein… denn ich gebe zu: so richtig leicht kommt man nicht darauf. Oder ich liege einfach völlig daneben mit meiner Interpretation. Wo sich wieder der Kreis zur Schulzeit schließen würde… 🙂

Spannend bleibt die Frage, weshalb der Killer mit Red Johns Spruch auf den Lippen stirbt. Natürlich: vielleicht gefällt einfach beiden das Gedicht und der Killer wollte mit was coolerem als „ich hätte gerne noch ein Wasser“ oder so sterben, purer Zufall also. Aber Zufälle gibt’s in TV-Serien nicht. Es bleibt also spannend, wo die Verbindung des Mörders aus S03E09 „Red Moon“ zu Red John ist…

So kann man sich auch einen Abend vertreiben…

Published inAllgemein

2 Comments

  1. Blue Blue

    Hey, In der Staffel 2 Folge 23 kommt dies auch schon vor 🙂

  2. Blue Blue

    Hey, In der Staffel 2 Folge 23 kommt dies auch schon vor 🙂

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