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SuperBowl im Kino

Und wieder ein mal haben es die Amis geschafft den Superbowl arbeitnehmerunfreundlich (zumindest für Arbeitnehmer, die zeitzonentechnisch östlich der USA (und das sind, ein Blick auf eine Weltkarte verrät es, die meisten) leben) auf einen Sonntag  zu legen. Narf!
Wenn schon wenig schlaf und einen halben Tag in der Firma frei nehmen, dann doch wenigstens für ein richtiges Spektakel, dachte ich mir. Und so war ich dann auch nicht ganz traurig als ein Freund vorschlug, das Spiel im Kino anzugucken… und ich kann’s jetzt schon vorweg nehmen: eine schlechte Entscheidung war das ganz bestimmt nicht.

Ich weiß gar nicht, wer für das Brimborium im Kieler Cinemaxx verantwortlich zeichnet – ich behaupte einfach mal, es waren die Kiel Baltic Hurricances. Nicht mehr ganz frisch gebackener, aber immer noch amtierender German Bowl Sieger, der für eine nette „Pre-Show“ sorgte.

Los ging’s gleich mit einem kleinen Minuspunkt. Auf den Tickets (freie Eintritt, man musste aber trotzdem 9€ für das Ticket bezahlen, hat diese dann aber gleich in Form eines Verzehrgutscheins zurück erhalten) stand, dass es um 21:00 Uhr los gehen sollte. Um 21:15 hängten Canes-Mitarbeiter dann Ablaufpläne auf, auf denen ersichtlich war, dass es erst um 21:30 losgehen würde. Und so standen wir mit vollen Händen (die Verzehrgutscheine konnten wir schließlich nicht verkommen lassen!) eine Dreiviertelstunde vor verschlossene Saaltür. Eine Dreiviertelstunde? Ja, eine Dreiviertelstunde – denn „in echt“ gingen die Türen erst um 21:45 auf. Das war’s aber auch schon mit Minuspunkten für die Veranstaltung.
Abgesehen von den nach wie vor unverschämten Preisen im Cinemaxx. So reicht ein 9€-Verzehrgutschein gerade mal für eine große Tüte Popcorn und 0,75 Liter Cola. Zusammen hat das ganze einen Einkaufswert von ungefähr einem Euro, wird also mit 800% Aufschlag weiterverkauft. Na ja…

Der Abend im Kinosaal begann damit, dass Patrick Esume (Headcoach der KBH) zwei neue Spieler vorstellte: Michael Andrew (Runningback) und Lansansa Teuber (Cornerback). Esume interviewte die beiden und entlockte ihnen zum Abschluss noch Tipps für den Ausgang des Spiels der Spiele. Wie sich das in so einer Situation gehört tippten die beiden unterschiedlich, so dass jeder Fanblock im Publikum kurz aufjubeln konnte. Esume selbst zeigte sich zum letzten Mal an dem Abend von seiner diplomatischen Seite und sagte sinngemäß, dass er für die Steelers sei, aber nicht an deren Sieg glauben würde.

Danach kam dann mein persönlicher Höhepunkt des Abends. Ich bin ein Freund von Strategie und Taktik im Sport. Selbst bei der Sportart, die mir am meisten am Herzen liegt, Handball, schreie ich selten den Fernseher an. Nicht mal in der Ostseehalle trifft man mich allzu oft gröhlend an. Ich „analysiere“ lieber und bin auch nach einem Spiel häufig mehr in der Rolle des Trainers als der des Fans.
Umso genialer fand ich es, dass Patrick Esume sich eine gute halbe Stunde Zeit nahm, um diverse Spielzüge aus dem German Bowl-Finale zu erklären. En Detail.
So was bekommt man nicht häufig geboten – und wenn dann „nur“ zu Spielen aus der amerikanischen Profiliga. Das ist zwar auch interessant, man häuft da aber Wissen an, das man für deutsche Spiele nur selten gebrauchen kann. Das Niveau ist eben ein ganz anderes.
Esume erzählte also wie er (und sein Team) Stunde um Stunde Videoanalyse betrieben haben, um am Ende ein Stück weit vorhersagen zu können, wie sich der Gegner in bestimmen Situation verhalten würde und wie man sie würde auf’s Glatteis führen können.
Nicht ohne deutlich hörbaren Stolz zeigt Esume zunächst ein paar äußerst gelungene Spielzüge seiner Canes und lobte seine Jungs in höchsten Tönen.
Mindestens genau so spannend war der darauf folgende Part, in dem Esume ziemlich geniale (Defensiv-)Spielzug-Ideen präsentierte, die sicherlich auch geklappt hätten, wenn seine Jungs sich an seinen Plan gehalten hätten. Nicht ohne ein Lächeln auf ein Lippen deklarierte Esume gleich haufenweise Spieler als „Versager“. Aber wenn man als Sieger aus so einem Spiel heraus gegangen ist, kann man sowas ja auch mal bringen.

Die darauf folgende Show der KBH-Cheerleader war… na ja… nicht so mein Fall. Ich bin aus dem Fernsehen einfach von spektakuläreren Auftritten verwöhnt (auch da sind die Amerikaner, wie beim Spiel selbst, eben auf einem ganz anderen Niveau) und selbst der schiere optische Reiz geht schnell verloren, da die meisten der Mädels zumindest „minderjährig“ aussehen, so dass Mann sich bei dem Gedanken „OK, das Gezappel ist nix für mich aber das Hingucken lohnt sich dennoch“ gehörig schämen muss. Das ging nicht nur mir so, wie ich den Gesprächen aus meinem Sitzumfeld entnehmen konnte.
Aber wie gesagt: ich bin da nicht der größte Fan von und erlaube mir deshalb auch gar kein Urteil über ihre Performance. Vermutlich sind sie nicht ganz zu Unrecht Schleswig-Holstein-Meister(?) geworden und vermutlich tue ich ihnen unheimlich Unrecht. 🙂

Nach einer kurzen Pause ging es mit einem NFL Best of 2010-Video weiter, das sich wirklich sehen ließ und vor Allem durch beeindruckende Zeitlupenaufnahmen bestach.

Danach ging das Spiel los.
Die Stimmung im Kinosaal war eher… na ja, nicht mau aber… entspannt. Was vermutlich auch der Uhrzeit geschuldet war.
Bei guten oder strittigen Aktionen und Situationen war das „Kieler Publikum“ dann aber doch mit Herz und einiger Verve dabei. Alles in Allem also eine anständige Veranstaltung, die auch ohne ein dermaßen spannendes Spiel aller Ehren wert gewesen wäre.
Ich jedenfalls freue mich schon auf’s nächste Mal – vielleicht dann ja auch mit Bildmaterial von ESPN. Zum Einen, weil die (wohl) echtes HD geliefert haben und zum Anderen, weil mir persönlich die deutschen Football-Kommentatoren der ARD gestohlen bleiben können. 🙂

Der Rest ist Superbowl-Geschichte.

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