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Studentendemo in Kiel. Und warum ich nicht dabei bin.

Es ist mal wieder Demo-Tag in Kiel. Diesmal die Studenten. Eine Gruppe unserer Gesellschaft, der ich auch angehöre. Trotzdem sitze ich jetzt vor’m Fernseher und gucke mir das WM-Spiel Spanien gegen Schweiz an anstatt mit zu marschieren.

Aber eins nach dem anderen: worum geht es eigentlich? Das Land Schleswig-Holstein ist Pleite und muss sparen. Teil des geplanten Sparpakets ist auch die Streichung von Studiengängen in Lübeck (Medizin) und den „Wirtschaftswissenschaften“ (Flensburg). Diese Studiengänge sollen dann nur noch in Kiel angeboten werden.

Die Uni in Kiel ist allerdings sowieso schon komplett überlaufen. Auch wenn das keiner der Studenten hören will: das liegt ganz klar daran, dass wir in in Schleswig-Holstein keine Studiengebühren eingeführt haben. Jetzt rennen sie uns hier die Bude ein, die Studenten aus den anderen Bundesländern, obwohl der Studienstandort Schleswig-Holsten, diplomatisch ausgedrückt, nicht nur Bestnoten in den diversen Uni-Rankings erhält.

Nun war ich nie ein Gegner der Studiengebühren – solange die Gelder transparent ausgegeben werden und die Studentenschaft ein gewisses Mitspracherecht bei der Verwendung dieser Gelder hat. Aber das ist noch mal ein ganz anderes Thema.
Jedenfalls dürfen sich die, die wochen-, monate- und jahrelang gegen Studiengebühren auf die Barrikaden gegangen sind meiner Ansicht nicht beschweren, dass sie jetzt früher aufstehen müssen, um noch einen Platz in den überfüllten Hörsälen zu ergattern.

Vieles an der Uni in Kiel läuft momentan katastrophal und an den Standorten Lübeck und Flensburg wird das vermutlich nicht viel anders sein. Helfen würde sicherlich mehr statt weniger Geld.
Und es gibt auch wahrlich genug gute Gründe, warum ich eigentlich jetzt auf der Straße sein sollte. Eines stört mich bei diesem Demonstrationszug jedoch:

In über einer Woche habe ich sowohl auf Seiten der „Veranstalter“, noch auf Seiten derer, die bekundet hatten, mitmarschieren zu wollen niemanden gefunden, der mehr als Gemecker zu bieten hatte. Ich kann jeden verstehen, der da heute mitläuft. Ich persönlich käme mir aber dämlich dabei vor, mit einem großen „Dagegen!“-Schild durch die Stadt zu laufen.
„Liefert mir konstruktive Gegenvorschläge zum aktuellen Sparmodell und ich laufe mit“, habe ich mehrfach angekündigt. Selten kam irgendetwas zurück. Und wenn, dann meist Vorschläge, die sich mit „bei anderen sparen“ zusammenfassen lassen. Und das ist keine Lösung. Dann gehen nämlich heute die Studenten, morgen die Eltern, übermorgen die Rentner, am Tag darauf die Soldaten und dann die Landesangestellten auf die Straße. „Bei anderen sparen“ löst keine Probleme, es verlagert sie nur.

Ich bin ein großer Freund radikaler Vorschläge wenn es um Politik geht. Weiß allerdings auch, dass die lediglich provozieren und nicht zu gebrauchen sind. Echte, also realisierbare, mehrheitsfähige, Vorschläge kann ich auch nicht anbieten. Also marschiere ich heute nicht mit.

Ich habe schon verschiedentlich gehört, dass das doch egal sei. Es ginge jetzt erst mal darum zu zeigen, dass man da sei und bereit wäre, für seine Meinung einzustehen.
Kann ich verstehen. Klar.
Aber „Dagegen!“ und „Ihr seid doof!“ ist mir einfach zu wenig. Muss man dann auch verstehen.

Trotzdem: Respekt. Ihr seid verdammt viele da draußen, auf den Straßen! Hätte ich nicht gedacht. Ihr seid auf jeden Fall mehr als die, die gegen Studiengebühren demonstriert haben. Vielleicht eröffnen sich da ganz neue Chancen für die Politik: Studentendemokratie. Es sind mehr Studenten gegen die Kürzungen des Sparpakets als gegen die EInführung der Studiengebühren. Da kann man ja einen Deal machen: die Standorte bleiben unverändert erhalten, dafür zahlen die Studenten zukünftig mit. 🙂

Auf meinem Weg von der Uni zur Arbeit und von der Arbeit nach Hause komme ich jeweils am Kieler Hauptbahnhof vorbei. Bereits heute Vormittag hatten sich dort die ersten Lübecker versammelt. Mit einigen von denen kam ich dann auch ins Gespräch. Schnell wurde klar: die sind auch nicht schlauer als ich.
Niemand hatte brauchbare Vorschläge. „Stellt euch vor ich wäre Peter Harry Carstensen. Ich sage euch jetzt: macht mir einen guten Vorschlag, wie wir die Schulden abbauen können ohne euch oder irgendeine andere Gruppierung zu belasten. Wenn ihr mir was nennen könnt, mache ich das sofort. Sonst ist doch wohl der Rasenmäher das gerechteste Mittel, oder?“
Schweigen und leere Blicke waren meist die Antwort. Oder sowas wie „Beim Militär sparen!“. Ja ja, guckt euch mal an, wie viel Schleswig-Holstein pro Jahr überhaupt für’s Militär bezahlt und sagt mir dann noch mal, ob sich das lohnt!

Auf dem Rückweg ein zweiter Versuch. Immerhin waren jetzt schon viel mehr Leute da. Und wenn mir nur einer nur einen guten Vorschlag unterbreitet hätte: ich wäre mitgelaufen. Und jetzt sitze ich hier. An meinem MacBook. Vor meinem Fernseher.
„Aber das Land ist doch nunmal pleite – und irgendwo muss Geld herkommen; oder eben eingespart werden!“ – Drei vollkommen besoffene Studenten mit „Ich kämpfe für die Uni Lübeck“-T-Shirts pöbelten mir entgegen „Deine Mudder muss sparen!“. Ah ja.

Ein paar Meter weiter urinierte die Bildungselite dann an Häuserwände.

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  1. Franceskabella Franceskabella

    Spätestens dann, wenn Sie eine neue Niere brauchen werden oder Krebs haben und kein Arzt da ist, würden Sie sagen, hätte ich bloß mitgemacht, Uni-Klinikum Kiel macht jährlich 150 Nierentransplatationen.
    Uni Lübeck hat auch einen sehr guten Ruf.
    Sparen, kein Kried in Afganistan, das wäre das vernünftige Sparen und nicht an den Unis, sondern werden die noch restlichen gute Forscher auswandern, was das betrifft, aus Deutschland „flüchten“ die meisten Akademiker, woran mag das wohl liegen???????????

    • „Sparen“ ist ein toller Vorschlag. Das tut die Landesregierung ja nun gerade. Dagegen haben sich die Proteste ja gerichtet.

      Ich sage ja: ich find es falsch an der Bildung zu sparen. Aber wo bitte denn dann? KITAs? Sanierung von Straßen/Gebäuden? Ich bin auf der Suche nach einem vernünftigen Sparvorschlag.

      Afghanistan… man kann doch nicht (wie ich finde: fäschlicher Weise) in ein Land einfallen, es kaputt bomben und dann sagen: nun macht mal schön. Da habe ich vielleicht eine andere ethisch-moralische Auffassung von Verantwortung – aber ich finde es nur korrekt, in Afghanistan zu bleiben und zumindest zu versuchen, zu helfen, das Land wieder aufzubauen.

  2. Gast Gast

    Es verwundert mich, dass Ihnen niemand den Vorschlag aufgezeigt hat, die Steuervergünstigung für Hotelbetriebe zu kassieren. Die Steuern die dem Land dort auf diese unakzeptable Weise verloren gehen, sind nicht unerheblich und könnten die bedrohten Einrichtungen durchaus stützen. Des weiteren ist gar nicht klar, ob die Streichung der Studiengänge und der Verkauf der Uni-Kliniken auf Dauer wirklich eine Einsparung zur Folge haben oder ob es nicht sogar auf lange Sicht ins Gegenteil umschlägt.

    Ihr Bericht klingt, als müssten Sie Ihr Fernbleiben vor sich selbst rechtfertigen. Selbstverständlich ist es einfacher sich vor den Fernseher zu setzen. Auch ich hätte liebend gerne die beiden Fußballspiele verfolgt.

    Nicht jeder Demonstrant hat das Talent sich treffend auszudrücken, weshalb man schon den Rednern zuhören muss um zu sehen hinter welchen Argumenten der Demonstrationszug steht. Auf dem Sofa bekommt man davon nichts mit…

    Du sprichst dich für Studiengebühren und eine transparente Verwendung dieser aus. Was ist jedoch mit den Sparplänen ? Wo war und ist dort die Transparenz ? Ergo, ein Grund um auf die Straße zu gehen, selbst wenn nicht jeder einen konkreten Vorschlag in petto hat. Demonstrationen sind dazu da, Unzufriedenheit auszudrücken und eine Debatte anzustoßen. Ohne Kommunikation gibt es selten die optimale Lösung.

    • „Nicht jeder Demonstrant hat das Talent sich treffend auszudrücken, weshalb man schon den Rednern zuhören muss um zu sehen hinter welchen Argumenten der Demonstrationszug steht. Auf dem Sofa bekommt man davon nichts mit…“

      Bei der Veranstaltung ist es zu spät. Da bin ich dann ja schon Teil des Demonstrationszugs und erfahre erst da, wofür ich da eigentlich gerade erst marschiere und marschiere dann vielleicht für Argumente mit, hinter denen ich gar nichts stehe, oder die diametral zu meiner eigenen Meinung aufgestellt sind.

      Bei den Sparplänen hoffe ich auf Transparenz, sobald sie in Gesetzesform vorliegen.

  3. Guest1 Guest1

    Tja an diesem Fall wird das Sparen noch mehr Schulden verursachen, denn die Einstellung des Medizinstudiengangs wird langfristig den Verlust mehrerer Tausend Arbeitsplätze in der Region bedeuten -> Folge: weniger Steuereinnahmen, weniger Unternehmen und ein wirtschaftlich jetzt schon desolates Schleswig-Holstein wird in den Abgrund gefahren. Wo auch immer man das Geld sonst hernimmt (und gute Gegenvorschläge gäbe es, Förderalismusreform zurücknehmen, so dass der Bund wieder Geld in Universitäten investieren (genau, Bildung ist Investition) kann, Rücknahme des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes, durch welches mehr als die einzusparende Summe an Steuern Hotels erlassen werden etc), die Bildung/Forschung, also die Zukunft des Landes ist definitiv der falsche Schritt.

    • Interessante Theorie.
      Ein andere, durchaus mögliche Entwicklung: es werden weniger Mediziner im Land ausgebildet. Das stellt eine Verknappung des Angebots dar, was dazu führt, dass die Medziner, die es noch gibt, endlich anständig bezahlt werden und aus anderen Regionen angeworben werden. -> Folge: mehr Steuereinnahmen. Ich sage nicht, dass es so kommen wird. ich sage nur: auch vorstellbar.

      „Wo auch immer man das Geld sonst hernimmt“. Das ist doch genau mein Punkt. Ich weiß es auch nicht. Mein Anspruch an mich selbst ist eben, dass ich mich nicht hinstelle und einfach nur rufe „Ihr macht das falsch!“. Ich möchte mich hinstellen und sagen können: „Ihr macht das falsch – und hier ist mein Plan, wie es besser geht.“

      Rückbau der Föderalismusreform und Rücknahme des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes (wird ja derzeit tatsächlich auch in der Bundesregierung diskutiert) sind zwei Punkte, die meines Erachtens nicht ansatzweise hinreichend sind. Es ist ja nicht so, dass es finanziell erst seit diesen Gesetzen bergab geht. Eine Rückführung auf den „alten Stand“ ist keine Lösung für die Zukunft. Vor Allem aber sind beides keine Dinge, die die Landesregierung entscheiden könnte – selbst wenn sie wollte. Mit diesem Anliegen hätte man dann vielleicht eher in Berlin demonstrieren sollen.

  4. Jennifer Vonderbey Jennifer Vonderbey

    Ich komme gerade von der Studenten-Demo in Kiel. Ich bin also einer dieser Menschen, die deiner Meinung nach besoffen, vollkommen kurzsichtig und uneinsichtig was die Sparpläne der Regierung angeht heute durch die Stadt getorkelt sind. Ich möchte dir sagen: Schande auf deine Haltung! Du magst dir sehr reif vorkommen, wie du von deiner Couch aus auf die dummen Studis mit den „Ihr seid doof“-Schildern herunterschaust (Ich habe so einen hohlen Spruch übrigens heute auf keinem Plakat gelesen), aber im Endeffekt entziehst du dich nur der Solidarität für deine Kommilitonen. Es ist nicht primär unsere Aufgabe uns einen Plan auszudenken, wie wir uns selber wegrationalisieren, das müssen schon die Politiker tun. Die haben sich dafür schließlich wählen lassen. Heute stehen wir vor allem auf der Straße, um zu zeigen, dass wir eine Stimme haben und diese gegen ungerechte und schlichtweg sinnlose Politik zu erheben. Wir zeigen auf, wie der Volkswille und das Handeln der Volksvertretung auseinanderdriften. Wir unterstreichen, dass Bildung und unsere Uni UNS es wert sind. Dass unsere Zukunft uns es wert ist, dafür einzustehen.
    Aber wahrscheinlich, bewirken diese Worte bei dir nicht viel. Jemand, der fordert das Studium solle kostenpflichtig werden, weil er dann morgens nicht so lange pennen kann wie er will, weil alle Plätze im Hörsaal schon von anderen faulen und zahlungsunwilligen Studenten besetzt sind, wird ein Wort wie Solidarität nichts bedeuten.
    Ganz bestimmt zeichnet sich Bildungselite nicht dadurch aus, dass sie sich betrinkt, öffentlich uriniert und pöbelt, aber sicherlich auch nicht dadurch, dass sie faul zu Hause auf der Couch vor dem Sportfernsehen klebt und sich selbst bauchpinselt.

    Hab süße Träume!

    Dank an alle 14.000 die heute in Kiel für unsere Forderungen eingetreten sind! Ihr wart spitze!

    • Ich habe nicht behauptet, dass sämtliche Demonstranten: „besoffen, vollkommen kurzsichtig und uneinsichtig“ sind. Ich habe lediglich berichtet, dass mir niemand auf meine Fragen antworten konnte und dass ich auch auf Gruppen besoffener Leute getroffen bin – was ich nicht mal gewertet habe, da ich es, in jeder größeren Gruppe, für „normal“ halte.Ich habe auch nicht von „Ihr seid doof“-Schildern berichtet. Ich habe geschrieben, dass ich mir, ohne eigene konstruktive Vorschläge im Kopf zu haben, so vor käme, als hielte ich ein „Ihr seid doof“-Schild in die Höhe. Zumindest war das die Intention hinter dem Satz.“… entziehst du dich nur der Solidarität für deine Kommilitonen“: Da magst du Recht haben. Aber damit hab ich’s eh nicht so. Ich würde niemals etwas nur aus „Solidarität für [m]eine Kommilitonen“ machen, wenn es meine Anforderungen an mich selbst nicht erfüllt, oder gar meinen Ansichten widerspricht. Meine Anforderung an mich bei Demos ist, wie geschrieben: würde ich da nur zum Meckern hingehen oder kann ich etwas konstruktives beitragen. Mir sind bislang keine konstruktiven Ideen (die auch tatsächlcih etwas bewirken würden) gekommen – und genannt wurden mir auch keine. Ergo: ich marschiere nicht mit.Natürlich ist es nicht unsere (als Betroffene) primäre Aufgabe einen Plan auszudenken. Schon gar nicht einen, wie wir uns „selber wegrationalisieren“ können. Das sage ich ja auch keinesfalls. Ein konstruktiver Vorschlag wäre ja eben einer, der für beide Seiten akzeptabel ist.Studiengebühren: ich fordere keine Studiengebühren, weil ich länger pennen will. Ich bin ein Frühaufsteher. Ich ärgere mich darüber, dass die Hörsäle aus allen Nähten platzen, habe aber kein prinzipielles Problem damit, früher in den Hörsälen zu erscheinen.Eigentlich fordere ich überhaupt keine Studiengebühren. Ich habe nur nichts dagegen. Ich sehe die Löcher in den Kassen, speziell auch den Kassen der Hochschulen – und sehe nicht, wo das benötigte Geld herkommen soll. Und ich wäre sehr wohl bereit, als Student, meinen Beitrag zu leisten (ggf. wichtige Anmerkung: ich finanziere mir mein Leben derzeit durch Arbeit neben dem Studium. Es ist also nicht so, dass mir die gebratenen Hähnchen von allein in den Mund fliegen). Als „Gegenleistung“ fordere ich dabei lediglich Transparenz und Mitbestimmung.
      Solidarität: ich erkläre mich zum Beispiel mit der „Gesamtgesellschaft“ solidarisch und bin bereit, auch durch Studiengebühren, meinen Beitrag zur Verbesserung der Haushaltslage, insbesondere der Haushaltslage an der Uni, zu leisten. Dass ich mich nicht krampfhaft solidarisch mit allem und jedem erkläre heißt ja nicht, dass ich nicht zu Solidarität fähig wäre.
      Nein, die Bildungselite zeichnet sich wahrlich nicht nur durch saufen, öffentliches urinieren und TV-Gucken aus (allerdings könnte man sehr wohl behaupten, wenn man sich so manches Klo auf dem Kieler Campus mal anguckt, dass die Bildungselite zum Scheißen zu doof ist. Aber das ist ein anderes Thema… fiel mir nur gerade bei „öffentlichem Urinieren“ ein…). So möchte ich auch nicht verstanden werden. Denn wie gesagt: ich bin ja Teil der Studentenschaft und habe da dann doch ein leicht besseres Bild von mir selbst und den vielen Menschen, die ich an der Uni kennengelernt habe, auf die das eben nicht zutrifft.

  5. Übrigens: danke an den Spender, der den Flattr-Button unter diesem Artikel geklickt hat. Mein/e erste/r Leser/in, der ein Artikel von mir bares Geld wert war. Ein… na ja, nicht direkt erhabenes… aber ein angenehmes Gefühl. :)Auch freut es mich, dass nur ein paar Stunden nach meinem Eintrag in meinem kleinen, relativ unbedeutsamen Blog bereits bessere und qualifiziertere Wortmeldungen gelesen habe, als ich heute in insgesamt knapp einer Stunde Gesprächen mit Teilnehmern der Demo erfahren habe.Unschön sind hingegen Kommentare hier wie „Fick dich!“ und „Geh doch huas du alde shice“ (wegen Stil, Rechtschreibung und der Tatsache, dass die Leuchte, die diesen Kommentar verfasst hat, scheinbar nicht mal verstanden hat, dass ich zu Hause bin. 🙂 ). Zu Diskussionen bin ich gerne bereit, nicht jedoch dazu, mich in meinem eigenen Blog beleidigen zu lassen. Deshalb werden die Kommentare zu diesem Artikel ab sofort moderiert.

  6. Franceskabella Franceskabella

    Spätestens dann, wenn Sie eine neue Niere brauchen werden oder Krebs haben und kein Arzt da ist, würden Sie sagen, hätte ich bloß mitgemacht, Uni-Klinikum Kiel macht jährlich 150 Nierentransplatationen.
    Uni Lübeck hat auch einen sehr guten Ruf.
    Sparen, kein Kried in Afganistan, das wäre das vernünftige Sparen und nicht an den Unis, sondern werden die noch restlichen gute Forscher auswandern, was das betrifft, aus Deutschland „flüchten“ die meisten Akademiker, woran mag das wohl liegen???????????

  7. Gast Gast

    Es verwundert mich, dass Ihnen niemand den Vorschlag aufgezeigt hat, die Steuervergünstigung für Hotelbetriebe zu kassieren. Die Steuern die dem Land dort auf diese unakzeptable Weise verloren gehen, sind nicht unerheblich und könnten die bedrohten Einrichtungen durchaus stützen. Des weiteren ist gar nicht klar, ob die Streichung der Studiengänge und der Verkauf der Uni-Kliniken auf Dauer wirklich eine Einsparung zur Folge haben oder ob es nicht sogar auf lange Sicht ins Gegenteil umschlägt.

    Ihr Bericht klingt, als müssten Sie Ihr Fernbleiben vor sich selbst rechtfertigen. Selbstverständlich ist es einfacher sich vor den Fernseher zu setzen. Auch ich hätte liebend gerne die beiden Fußballspiele verfolgt.

    Nicht jeder Demonstrant hat das Talent sich treffend auszudrücken, weshalb man schon den Rednern zuhören muss um zu sehen hinter welchen Argumenten der Demonstrationszug steht. Auf dem Sofa bekommt man davon nichts mit…

    Du sprichst dich für Studiengebühren und eine transparente Verwendung dieser aus. Was ist jedoch mit den Sparplänen ? Wo war und ist dort die Transparenz ? Ergo, ein Grund um auf die Straße zu gehen, selbst wenn nicht jeder einen konkreten Vorschlag in petto hat. Demonstrationen sind dazu da, Unzufriedenheit auszudrücken und eine Debatte anzustoßen. Ohne Kommunikation gibt es selten die optimale Lösung.

  8. Guest1 Guest1

    Tja an diesem Fall wird das Sparen noch mehr Schulden verursachen, denn die Einstellung des Medizinstudiengangs wird langfristig den Verlust mehrerer Tausend Arbeitsplätze in der Region bedeuten -> Folge: weniger Steuereinnahmen, weniger Unternehmen und ein wirtschaftlich jetzt schon desolates Schleswig-Holstein wird in den Abgrund gefahren. Wo auch immer man das Geld sonst hernimmt (und gute Gegenvorschläge gäbe es, Förderalismusreform zurücknehmen, so dass der Bund wieder Geld in Universitäten investieren (genau, Bildung ist Investition) kann, Rücknahme des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes, durch welches mehr als die einzusparende Summe an Steuern Hotels erlassen werden etc), die Bildung/Forschung, also die Zukunft des Landes ist definitiv der falsche Schritt.

  9. Jennifer Vonderbey Jennifer Vonderbey

    Ich komme gerade von der Studenten-Demo in Kiel. Ich bin also einer dieser Menschen, die deiner Meinung nach besoffen, vollkommen kurzsichtig und uneinsichtig was die Sparpläne der Regierung angeht heute durch die Stadt getorkelt sind. Ich möchte dir sagen: Schande auf deine Haltung! Du magst dir sehr reif vorkommen, wie du von deiner Couch aus auf die dummen Studis mit den „Ihr seid doof“-Schildern herunterschaust (Ich habe so einen hohlen Spruch übrigens heute auf keinem Plakat gelesen), aber im Endeffekt entziehst du dich nur der Solidarität für deine Kommilitonen. Es ist nicht primär unsere Aufgabe uns einen Plan auszudenken, wie wir uns selber wegrationalisieren, das müssen schon die Politiker tun. Die haben sich dafür schließlich wählen lassen. Heute stehen wir vor allem auf der Straße, um zu zeigen, dass wir eine Stimme haben und diese gegen ungerechte und schlichtweg sinnlose Politik zu erheben. Wir zeigen auf, wie der Volkswille und das Handeln der Volksvertretung auseinanderdriften. Wir unterstreichen, dass Bildung und unsere Uni UNS es wert sind. Dass unsere Zukunft uns es wert ist, dafür einzustehen.
    Aber wahrscheinlich, bewirken diese Worte bei dir nicht viel. Jemand, der fordert das Studium solle kostenpflichtig werden, weil er dann morgens nicht so lange pennen kann wie er will, weil alle Plätze im Hörsaal schon von anderen faulen und zahlungsunwilligen Studenten besetzt sind, wird ein Wort wie Solidarität nichts bedeuten.
    Ganz bestimmt zeichnet sich Bildungselite nicht dadurch aus, dass sie sich betrinkt, öffentlich uriniert und pöbelt, aber sicherlich auch nicht dadurch, dass sie faul zu Hause auf der Couch vor dem Sportfernsehen klebt und sich selbst bauchpinselt.

    Hab süße Träume!

    Dank an alle 14.000 die heute in Kiel für unsere Forderungen eingetreten sind! Ihr wart spitze!

  10. „Sparen“ ist ein toller Vorschlag. Das tut die Landesregierung ja nun gerade. Dagegen haben sich die Proteste ja gerichtet.

    Ich sage ja: ich find es falsch an der Bildung zu sparen. Aber wo bitte denn dann? KITAs? Sanierung von Straßen/Gebäuden? Ich bin auf der Suche nach einem vernünftigen Sparvorschlag.

    Afghanistan… man kann doch nicht (wie ich finde: fäschlicher Weise) in ein Land einfallen, es kaputt bomben und dann sagen: nun macht mal schön. Da habe ich vielleicht eine andere ethisch-moralische Auffassung von Verantwortung – aber ich finde es nur korrekt, in Afghanistan zu bleiben und zumindest zu versuchen, zu helfen, das Land wieder aufzubauen.

  11. „Nicht jeder Demonstrant hat das Talent sich treffend auszudrücken, weshalb man schon den Rednern zuhören muss um zu sehen hinter welchen Argumenten der Demonstrationszug steht. Auf dem Sofa bekommt man davon nichts mit…“

    Bei der Veranstaltung ist es zu spät. Da bin ich dann ja schon Teil des Demonstrationszugs und erfahre erst da, wofür ich da eigentlich gerade erst marschiere und marschiere dann vielleicht für Argumente mit, hinter denen ich gar nichts stehe, oder die diametral zu meiner eigenen Meinung aufgestellt sind.

    Bei den Sparplänen hoffe ich auf Transparenz, sobald sie in Gesetzesform vorliegen.

  12. Ich habe nicht behauptet, dass sämtliche Demonstranten: „besoffen, vollkommen kurzsichtig und uneinsichtig“ sind. Ich habe lediglich berichtet, dass mir niemand auf meine Fragen antworten konnte und dass ich auch auf Gruppen besoffener Leute getroffen bin – was ich nicht mal gewertet habe, da ich es, in jeder größeren Gruppe, für „normal“ halte.

    Ich habe auch nicht von „Ihr seid doof“-Schildern berichtet. Ich habe geschrieben, dass ich mir, ohne eigene konstruktive Vorschläge im Kopf zu haben, so vor käme, als hielte ich ein „Ihr seid doof“-Schild in die Höhe. Zumindest war das die Intention hinter dem Satz.

    „… entziehst du dich nur der Solidarität für deine Kommilitonen“: Da magst du Recht haben. Aber damit hab ich's eh nicht so. Ich würde niemals etwas nur aus „Solidarität für [m]eine Kommilitonen“ machen, wenn es meine Anforderungen an mich selbst nicht erfüllt, oder gar meinen Ansichten widerspricht. Meine Anforderung an mich bei Demos ist, wie geschrieben: würde ich da nur zum Meckern hingehen oder kann ich etwas konstruktives beitragen. Mir sind bislang keine konstruktiven Ideen (die auch tatsächlcih etwas bewirken würden) gekommen – und genannt wurden mir auch keine. Ergo: ich marschiere nicht mit.

    Natürlich ist es nicht unsere (als Betroffene) primäre Aufgabe einen Plan auszudenken. Schon gar nicht einen, wie wir uns „selber wegrationalisieren“ können. Das sage ich ja auch keinesfalls. Ein konstruktiver Vorschlag wäre ja eben einer, der für beide Seiten akzeptabel ist.

    Studiengebühren: ich fordere keine Studiengebühren, weil ich länger pennen will. Ich bin ein Frühaufsteher. Ich ärgere mich darüber, dass die Hörsäle aus allen Nähten platzen, habe aber kein prinzipielles Problem damit, früher in den Hörsälen zu erscheinen.
    Eigentlich fordere ich überhaupt keine Studiengebühren. Ich habe nur nichts dagegen. Ich sehe die Löcher in den Kassen, speziell auch den Kassen der Hochschulen – und sehe nicht, wo das benötigte Geld herkommen soll. Und ich wäre sehr wohl bereit, als Student, meinen Beitrag zu leisten (ggf. wichtige Anmerkung: ich finanziere mir mein Leben derzeit durch Arbeit neben dem Studium. Es ist also nicht so, dass mir die gebratenen Hähnchen von allein in den Mund fliegen). Als „Gegenleistung“ fordere ich dabei lediglich Transparenz und Mitbestimmung.

    Nein, die Bildungselite zeichnet sich wahrlich nicht nur saufen, öffentliches urinieren und TV-Gucken aus. So möchte ich auch nicht verstanden werden. Denn wie gesagt: ich bin ja Teil der Studentenschaft und habe da dann doch auch ein leicht besseres Bild von mir selbst und den vielen Menschen, die ich an der Uni kennengelernt habe, auf die das eben nicht zutrifft.

  13. Interessante Theorie.
    Ein andere, durchaus mögliche Entwicklung: es werden weniger Mediziner im Land ausgebildet. Das stellt eine Verknappung des Angebots dar, was dazu führt, dass die Medziner, die es noch gibt, endlich anständig bezahlt werden und aus anderen Regionen angeworben werden. -> Folge: mehr Steuereinnahmen. Ich sage nicht, dass es so kommen wird. ich sage nur: auch vorstellbar.

    „Wo auch immer man das Geld sonst hernimmt“. Das ist doch genau mein Punkt. Ich weiß es auch nicht. Mein Anspruch an mich selbst ist eben, dass ich mich nicht hinstelle und einfach nur rufe „Ihr macht das falsch!“. Ich möchte mich hinstellen und sagen können: „Ihr macht das falsch – und hier ist mein Plan, wie es besser geht.“

    Rückbau der Föderalismusreform und Rücknahme des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes (wird ja derzeit tatsächlich auch in der Bundesregierung diskutiert) sind zwei Punkte, die meines Erachtens nicht ansatzweise hinreichend sind. Es ist ja nicht so, dass es finanziell erst seit diesen Gesetzen bergab geht. Eine Rückführung auf den „alten Stand“ ist keine Lösung für die Zukunft. Vor Allem aber sind beides keine Dinge, die die Landesregierung entscheiden könnte – selbst wenn sie wollte. Mit diesem Anliegen hätte man dann vielleicht eher in Berlin demonstrieren sollen.

  14. Übrigens: danke an den Spender, der den Flattr-Button unter diesem Artikel geklickt hat. Mein/e erste/r Leser/in, der ein Artikel von mir bares Geld wert war. Ein… na ja, nicht direkt erhabenes… aber ein angenehmes Gefühl. 🙂

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