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SPD will das Internet mit Cookie-Verbot unbrauchbar machen

Und weiter geht’s im munteren Kampf zwischen CDU/CSU und SPD um die rote Laterne im Bereich „Internetversteher“.

Wenn ich diesen Gesetzentwurf richtig interpretiere, hat die SPD richtig erkannt, dass Cookies ein Datenschutztechnisches Problem darstellen/darstellen können.

Stein des Anstoßes ist eine, anscheinend, längst in Vergessenheit geratene E-Privacy-Richtlinie des Europäischen Parlaments und Rates aus dem Jahre 2002, die am 19.12.2009 in Kraft trat, seither von allen ignoriert wurde und nun von der SPD ausgegraben wurde.

Einer der zentralen Punkte ist, dass es Telemediendiensten nur nach Einwilligung des jeweiligen Nutzers erlaubt sein soll, Cookies zu setzen.

Die Lösung der SPD heißt dann auch konsequent „Das setzen von sogenannten Cookies wird in der Regel unter Einwilligungsvorbehalt gestellt.“.

Laut Entwurf gibt es weder Alternativen noch finanzielle Auswirkungen.

Was aber heißt die Umsetzung dieses Enwurfs in der Praxis?
Nehmen wir mal an, ich besuche spiegel.de und werde als erstes gefragt, ob ich es der Seite erlauben möchte, Cookies zuzulassen. Ich vertraue Spiegel und sehe in Cookies einen Mehrwert und erlaube dies. Dann ist alles gut und nach nur einem Mausklick ist alles so wie vorher.

Was aber, wenn ich Cookies kategorisch ablehne? Dann besuche ich spiegel.de, bekomme die selbe Frage gestellt und antworte mit „nein, geh weg“.
Dann darf aber auch kein Cookie gesetzt werden, in dem steht, dass ich keine Cookies wünsche. Das heißt, bei jedem Aufruf eines Artikels unterhalb von spiegel.de, werde ich erneut gefragt, ob ich Cookies zulassen möchte — und das auf jeder Seite. Nicht nur auf Seiten vom Spiegel, sondern auf nahezu jeder Internetseite (zumindest kommerzieller Anbieter).

Hat das finanzielle Auswirkungen? Kumuliert sicherlich! Ich zum Beispiel betreibe für dienstliche Aufgaben häufig lange Web-Recherchen. Wenn ich keine Cookies ablehne, heißt dass, dass ich ständig auf „Nein“ klicken muss, was in wertloser Arbeitszeit, die mein Arbeitgeber natürlich trotzdem zahlen muss, resultiert.
Ja, wahrscheinlich kommen da selbst in krassen Fällen nur ein paar Minuten pro Mitarbeiter und Jahr zusammen. Rechnet man dies aber mal über alle betroffenen Mitarbeiter aller betroffenen Firmen zusammen…

Und wie sieht’s mit Alternativen aus?
Natürlich gibt es die. Zum Einen könnte man eine Ausnahme für „Ich will keine Cookies“-Cookies einbauen, so dass eine Website diese und nur diese Information in einem Cookie ablegen darf, wenn ich Cookies abgelehnt habe. Ja, natürlich ist das ein Stück weit widersprüchlich – dafür aber am Einfachsten realisierbar und dem Nutzer entsteht kein Schaden.
Alternativ könnte die EU ein eigenes Browser-Plugin zur Verfügung stellen, dass die Ablage von Cookies unterbindet und dies automatisch im Hintergrund passieren lässt.

Da höre ich schon wieder die Kommentare: aber davon weiß dann ja niemand was, das nutzt doch keiner!
Und warum wird keiner davon wissen? Warum wird das keiner nutzen? Weil niemand weiß, was Cookies eigentlich sind und was sie so tun! Vielleicht sollte man sich also zuerst um etwas mehr Aufklärung in dem Bereich kümmern, bevor man Zeit und Geld darauf verschwendet, Cookies zu verbieten, bzw. zu einer reinen Opt-In-Veranstaltung mit Opt-Out-Element zu machen. Zumal der aktuelle Vorschlag zur Folge hätte, dass ein Opt-Out immer nur bis zum nächsten Mausklick reicht.

Published inAllgemein

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