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Review: Michael Jackson – Xscape

Michael Jackson ist zurück. Natürlich nicht wirklich. Aber irgendwie halt doch. Es gibt nämlich ein neues Album. Es trägt den Titel “Xscape” und scheidet die Geister bereits ganz ohne, dass man über die Musik zu diskutieren bräuchte. Ist es reine Geldmacherei mit einem Toten, der sich nicht mehr “wehren” kann? Hat der allseits als Perfektionist bekannte Jackson die Songs vielleicht aus gutem Grund in der Schublade gelassen und wollte nicht, dass sie je veröffentlicht werden? Fragen, die man nicht wird beantworten können. Gerade für Fans, wie ich es praktisch schon immer war, ist jeder Blick in die Schatzkiste von dutzenden (hunderten?) unveröffentlichten Michael-Jackson-Songs natürlich trotzdem großartig.

Xscape-Cover
Xscape-Cover

All-Access?
Cool wäre natürlich, wenn sich der Jackson-Clan entschiede, einfach alles, was Jackson noch in der Schublade hatte als ein großes Archiv online zu stellen. Und zwar im Idealfall unter einer Lizenz, mit der jeder arbeiten kann. Wer möchte, hört sich die unzähligen Songs einfach nur an, wer kann, erstellt eigene Mixe etc. pp.
Meinethalben kann dann daraus wiederum in beliebigen Zeitabständen ein neues Album zusammengestellt und verkauft werden. Hätte einen gewissen Charme. Wird so nicht passieren, klar.

Song-Auswahl
Bevor ich das Album zu hören bekam, kannte ich einen der Songs schon komplett und Versatzstücke eines zweiten. Der erste, Xscape, wurde schon vor Jahren geleakt, noch zu Lebzeiten des King of Pop, erfuhr aber nie eine größere Aufmerksamkeit. Rückblickend muss man sagen: vermutlich sogar zu Recht. Es war kein überragender Song. Vor allem gemessen an dem, was von Michael Jackson noch zu erwarten war. Nun, da er schon ein paar Jährchen unter der Erde liegt, ist das natürlich alles etwas anderes.
Der andere Song von dem ich Fetzen kannte war “A Place With No Name”. Die Fetzen waren etwa 10 und 20 Sekunden lang, ließen also kein Urteil zu aber großes hoffen.
Mit gemischten Gefühlen habe ich also seit der Ankündigung auf dieses Album gewartet. Das etwas flaue Gefühl im Magen – “Hoffentlich wird das Album nicht scheiße!” – verflüchtigte sich ein wenig, als klar wurde, wer da an diesem Album mitarbeiten und die Songs auf Hochglanz polieren würde. Mit LA Reid als (u.a.) Kurator, Timbaland als “Executive Producer” und Rodney “Darkchild“ Jerkins waren mindestens drei Typen an Bord, die schon häufiger und über viele Jahre mit Michael Jackson zusammengearbeitet hatten. Es gab also Grund zur Hoffnung, dass diese Herren schon wissen würden, was “MJ” gefallen hätte und dass sie sein Erbe nicht “verraten” würden.
Der Deluxe-Version des Albums liegt eine kurze Dokumentation über etwa 20 Minuten bei, in der ein paar der mitwirkenden Produzenten erklären, was sie da eigentlich gemacht haben. LA Reid erklärt unter anderem, dass seine Bedingung zum Mitwirken an dem Projekt gewesen sei, sich ausnahmslose alle unveröffentlichten Michael-Jackson-Songs anhören und dann entscheiden zu dürfen, welche aufs Album kommen. Er habe dann überhaupt nur die in eine engere Auswahl genommen, von denen Jackson diverse Aufnahmen produziert hatte, weil Reid das als Indikator dafür galt, dass Jackson besonders viel an diesen Songs lag. Was vermutlich keine komplett falsche Annahme ist. Einen der Songs hat Jackson laut Reid ganze 24 Mal komplett eingesungen.

“Contemporizing”
Was das Team dann mit diesen Songs gemacht hat, nennen sie “contemporizing”. Das beschreibt den Versuch, die teils sehr alten Songs an die heutige Musikwelt anzupassen. Das immer unter der Prämisse “What would Michael do?”. Das kann man sehr skeptisch und kritisch sehen. Ich habe das auch vor dem ersten Album-Durchhören (und wenn ich ehrlich bin auch danach) so gesehen. Zumindest die Deluxe-Version ist in dieser Hinsicht aber ein versöhnliches Angebot für alle Michael-Jackson-Fans, die die “reine Lehre” wollen. Die Deluxe-Version umfasst insgesamt 17 Tracks. 1 bis 8 sind die “contemporized” Versionen, 9 – 16 sind die jeweiligen Original-Versionen und Track 17 ist eine Duet-Version des ersten Songs mit Michael Jackson und Justin Timberlake.

Michael Jackson, wie er leibte und lebte
Inzwischen habe ich das Album bestimmt 10 Mal von Anfang bis Ende durchgehört und glaube inzwischen, mir ein Urteil erlauben zu können. Es ist tatsächlich schön, mal wieder “neue“ Musik von Michael Jackson zu hören. Die Auswahl, die LA Reid getroffen hat ist – natürlich ohne den Rest des verfügbaren Materials zu kennen – sehr gelungen. Es handelt sich um wirklich großartige Songs aus verschiedenen Phasen des Schaffens des King of Pop. Man merkt, dass sich Timbaland und Co. dem Material sehr behutsam genähert haben, um den originalen Sound nicht zu verfälschen. Dass sich so ein Ergebnis erzielen lass, dass ohne weiteres in der heutigen Zeit bestehen kann, zeigt, was für ein Ausnahme-Könner Jackson war. So steht das Album dann im Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels folgerichtig auch auf Platz 2 der deutschen iTunes Charts hinter “King” von Kollegah und vor der “Traum-EP” von Cro.
So cool es für einen eingefleischten Fan auch ist, die Original-Versionen, die reine Lehre, zu hören. Man muss schon konstatieren, dass es sich dabei teilweise um sehr rohe Versionen handelt. Das gilt besonders für die erste Single-Auskopplung “Love never felt so good”. Der einzige Song, der mir in der Original-Version besser gefällt als in der neuen (wobei ich die auch verdammt stark finde) ist “A place with no name”, das deutliche Anleihen von Americas “A horse with no name” hat. Aber das ist natürlich sehr subjektiv.
Ansonsten kann man auch als Fan durchatmen und anerkennen, dass das Team um Reid sehr gute Arbeit geleistet hat. Die Original-Versionen sind was für Fans, die neuen werden zumindest in der “breiten Masse” mehr Anklang finden. “Xscape” hat von mir vier iTunes-Sterne bekommen. 🙂
Selbst wer sich nicht zu den “echten” Fans zählt, sollte trotzdem die Deluxe-Version kaufen. Allein schon wegen der oben angesprochenen Dokumentation. Sie gibt ein paar coole Einblicke in die Arbeit der Produzenten.

 

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