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Kommt es zur Stadtflucht?

Es ist kein Geheimnis, dass sich Magazine wie Landlust verkaufen wie geschnitten Brot. Menschen dürstet es offenbar nach einem Stück ländlicher Idylle und Beschaulichkeit. Ich stelle mir die Frage, wann sich dieser Durst nicht mehr durch 100-seitige Papierhefte stillen lässt. Und was dann passieren wird.

Das Leben auf dem Land ist natürlich längst nicht mehr so, wie es in derartigen Zeitschriften häufig beschrieben wird. Da wird viel romantisiert und die Nostalgie kommt auch nicht zu knapp. Aber trotzdem bieten Dörfer und überhaupt das ländliche Leben viele Vorteile gegenüber der Stadt. Weniger Lärm, weniger Verkehr, weniger Kriminalität, bessere Luft, weniger Anonymität, … Oh, und nicht zu letzt: häufig signifikant niedrige Mieten.

Worauf muss man verzichten? Na ja, ohne ein eigenes Auto hat man in der Regel verloren. Das braucht man selbst in größeren Ortschaften praktisch für alles. Den Weg zum Arzt, den Einkauf. Auch wenn man abends mal weggehen will, sei es nun in ein Restaurant, eine Kneipe oder zum Feiern – häufig wird man zu hause bleiben müssen, wenn man nicht fahren oder ein teures Taxi bezahlen möchte. Und ob das Kind mit dem Rad oder gar zu Fuß zur Schule kommt ist auch nicht gewiss. Wenn dann noch die Busse ungünstig fahren…

Für viele, und zwar nicht nur für das Gros der Land-Zeitschriften-Käufer, dürften die Pluspunkte aber überwiegen. Leben auf dem Land, arbeiten in der Stadt. Ist das die Zukunft? Und was bedeutete das für die Städte? Wenn mehr und mehr Leute aufs Land zögen, würden dann Dienstleister wie Ärzte folgen und würde die Versorgungslage in den Städten dann leiden? So weit, dass das Landleben irgendwann nicht nur die subjektiv sondern auch objektiv bessere Wahl wird? Finanztechnisch wäre es dann wohl klug jetzt Immobilien außerhalb von Städten zu kaufen.

Für Städte würde das außerdem noch zwei weitere schwer verdauliche Dinge mit sich bringen: Zum einen würde die Stadtflucht, die Suburbanisierung, zu geminderten Steuereinnahmen führen. Zum anderen müssten die Städte gleichzeitig mit stärkeren Pendlerströmen zurecht kommen.

Landkreise müssten ihrerseits auf einige Dinge achten. Nämlich darauf, dass aus den Dörfern keine Städte werden. Darauf, dass die Vorteile, die das Land gegenüber der Stadt hat, erhalten bleiben. Und es muss an vernünftigen Lösungen in Sachen Mobilität gearbeitet werden. Vorzugsweise gemeinsam mit den Städten, wo die Menschen zum Arbeiten hinfahren.

Bin ich da völlig auf dem Holzweg? Ist das ein aktuelles und reales Problem? Oder habe ich mir da (viele) Gedanken um ein Thema gemacht, das in der echten Welt keine Rolle spielt? Die nähere Zukunft wird es zeigen. Mich persönlich reizt das Leben in der Stadt schon länger nicht mehr. Ich wohne nur noch in der Stadt, weil ich in meiner WG in Kiel noch günstiger wohnen kann, als ich das allein außerhalb könnte, ohne meinen Lebensstandard zu mindern.

Published inAllgemein

Ein Kommentar

  1. Doc Spencer Doc Spencer

    Ich gebe dir völlig recht! Grade wenn Kinder ins Spiel kommen und man überlegen muss – Wo will ich diese aufwachsen lassen – kommt man schnell auf das Leben in kleineren Orten. Wie klein und wie beschaulich kann da ja jeder für sich entscheiden. Aber die Entscheidung ist eigentlich leicht.

    Um mal beim Kieler Beispiel zu bleiben: Will ich meine Kinder z.B. in Mettenhof oder Gaarden aufwachsen und zur Schule gehen lassen wo ich für eine 4 Zimmer Wohnung zwischen 430€ und 560€ KALT zahle (~85m²) oder ziehe ich in eine „vernünftige“ Gegend wie den Blücherplatz und zahle dann ab! 750€ Kalt.

    In kleineren „Städten“ wie Nortorf oder Preetz oder größeren Dörfern wie Flintbek kann ich für unter 500€ kalt über 100m² in einer netten Gemeinde finden in denen ich auch zufuß alles erreichen kann. Suche ich sogar in Ortschaften in denen ich dann tatsächlich ein Auto brauche bekomme ich für das Geld sogar Häuser gemietet.

    OK, natürlich brauche ich in Kiel nicht unbedingt ein Auto – aber wenn ich bei den gleichen monatlichen Kosten mehr Lebensquallität für mich und meine Familie bekomme entscheide ich mich definitiv für das Leben auf dem Lande. (So auch für nächstes Jahr fest geplant!)

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