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Fußball und Wein. Ein Aufsatz über das Älterwerden. Mit 25.

Ich werde nicht jünger.
Mir ist durchaus klar, dass das kein Alleinstellungsmerkmal ist. Darüber hinaus ist mir sehr wohl bewusst, dass ich nicht „alt“ bin. Natürlich: Kinder denken, dass ich mit meinen nun schon 25 Jahren eigentlich tagtäglich damit rechnen müsste tot umzufallen. Kinder lesen aber meinen Blog nicht. Also: ich bin nicht alt.

Aber ich werde zusehends älter. Also relativ. Das gefühlte Alter ist deutlich höher als das im Personalausweis vermerkte. Besonders bewusst wird mir das immer bei sportlichen Großveranstaltungen. Ich bin ein großer Sportfan und versuche bei solchen „Events“ möglichst viel Zeit vor Fernsehern oder Leinwänden zu verbringen, um möglichst viele Wettkämpfe (Olympia), Spiele (Handball, Fußball, Hockey, …) oder auch Kämpfe (hier vor allem: Boxen) mitzubekommen.
Gerade beim betrachten der Sportwelt wird mir aber immer -das geht nämlich seit ein paar Jahren schon so- wieder bewusst, dass man auch mit 23, 24 und erst recht mit 25 Jahren schon alt sein kann. Also relativ.

 

Gerade gestern zum Beispiel. Da spielte die argentinische „selection“ von Diego Maradonna bei der FIFA Fußball Weltmeisterschaft in Südafrika gegen Nigeria. Argentinien war den Großteil des Spiels drückend überlegen und außer einigen Hardcore-Nigera-Fans wird das auch keinen verwundert haben. Ausschlag gebend für diese Überlegenheit waren auf argentinischer Seite vor allem zwei Spieler: Juan Sebastián Verón, die, sozusagen, „grand dame“ des argentinischen Fußballs und der momentan von allen Experten einmütig „bester Spieler der Welt“ genannte Lionel Messi.

Lionel Messi ist mit einiger Sicherheit der beste Spieler der Welt und hat meines Erachtens auch das Zeug, für viele Jahre als der Beste „aller Zeiten“ zu gelten. Wobei man mit solchen Aussagen immer vorsichtig sein muss. Zum Einen, weil es immer mehr Ausnahmeathleten gibt, zum Anderen weil „aller Zeiten“ ja immer auch alle zukünftigen Zeiten inkludiert. Gab es „damals“ noch eine Ära Pelé, eine Ära Maradonna und dann eine Ära Zidane, gibt es jetzt gleich mehrere absolute Ausnahmekönner: Messi, Ronaldinho und Cristiano Ronaldo. Dicht gefolgt von Leuten wie Franck Ribéry und Arjen Robben.

Und was haben zumindest Messi und Ronaldo gemein? Genau: sie sind jünger (bzw. nur unwesentlich älter) als ich. Der beste Spieler der Welt ist gerade mal 22 Jahre alt. Cristiano Ronaldo ist exakt zwei Wochen vor mir geboren worden.
Überhaupt sind immer mehr Topstars -zum Teil deutlich- jünger als ich. Die acht Mannschaften, denen ich den WM-Titel 2010 zutrauen würde, bieten insgesamt 184 Spieler auf. Die Besten der Besten der Besten. Exakt 50 davon sind entweder jünger als ich – oder nur wenige Tage älter als ich. Und alle diese 50 haben vermutlich schon jetzt mehr Geld auf dem Konto als ich, über die Jahre akkumuliert, jemals gehabt haben werde.
Die „jüngste“ Mannschaft aus meinem Favoritenkreis ist übrigens die deutsche Nationalmannschaft. Gleich 13 Spieler des 23er-Kaders sind jünger als ich. Der jüngste Spieler, Toni Kroos, wurde sogar erst fünf Jahre nach mir geboren.

Gut, dass ich schon vor Jahren dazu übergegangen bin, Alter nicht mehr direkt in Jahren, sondern vielmehr in Fußballweltmeisterschaften zu berechnen. Ich bin Jahrgang ’85. Habe also die Weltmeisterschaften der Jahre ’86, ’90, ’94, ’98, 2002, 2006 und jetzt 2010 miterlebt. Macht insgesamt: 7 Stück. Okay, bei der 1986er WM war ich nicht ganz 1,5 Jahre alt. Die zählt also nicht so ganz als miterlebt.
Sollte ich 2065 im Alter von 80 Jahren sterben, dann habe ich jetzt noch genau 14 Weltmeisterschaften vor mir. Das klingt jetzt erst mal nach viel. Ist es ja auch. Allein schon, wenn ich bedenke was mir von den vergangenen sieben Weltmeisterschaften so im Kopf hängen geblieben ist: der deutsche Titel 1990 dank des Elfmeters von Andy Brehme und eines grandios aufspielenden Lothar Matthäus, gepaart mit den vermutlich besten Leistungen, die Jürgen Klinsmann jemals in seiner Karriere erbracht hat. Das erste WM-Finale, das in einem Elfmeterschießen entschieden werden musste (Brasilien v Italien, 1994 in den USA), die WM 2006 im eigenen Land mit dem „Sommermärchen“ und dem Kopfstoß von Zinédine Zidane im Finale gegen den Italiener Materazzi. Michael Ballack, der Deutschland bei der WM 2002 in Japan/Südkorea im Halbfinale gegen Südkorea erst mit einem so genannten „taktischen Foul“ im Spiel hält (dafür gelb kassiert und im Falle einer Finalteilnahme nicht mit auflaufen dürfte) und dann auch noch das alles entscheidende 1:0 schießt – und dem tragischen Helden der WM: Oliver Kahn. Und so weiter und so fort…
Andererseits fällt dem geschulten Mathematiker auf: 21 Weltmeisterschaften insgesamt, 14 sind noch nach – das erste Drittel hat der Autor schon hinter sich.
Richtig. Und die erste Million auf dem Konto lässt noch immer auf sich warten.

Ebenfalls ganz deutlich sichtbar wird der Zahn der Zeit bei einem Blick auf meinen Weinvorrat. Das erste Indiz für ein „gehobenes“ Alter: ich habe einen Weinvorrat.
Früher gab es Bier egal welcher Marke und Temperatur und irgendetwas an Hartgas der Marke „gut und günstig“. Wobei „gut“ nicht hieß, dass es sich um ein qualitativ hochwertiges alkoholisches Erzeugnis handelte. Gut war, was ordentlich knallte. „Günstig“ war dementsprechend auch nicht wirklich mit „preiswert“ sondern eher mit „das Billigste was gerade zu haben ist“ zu übersetzen.
Diese Phase war bei zum Glück nicht sonderlich stark ausgeprägt und auch nicht von allzu langer Dauer. Ich hatte mich schnell auf eine Hand voll Lieblingsbieren eingeschossen: Beck’s, Flensburger Dunkel, Kristallweizen (egal ob Paulaner, Erdinger oder Schöfferhofer) und Astra – allein schon des Kults wegen.
Nach dem ersten und letzten Blue-Curacao-Kotzen wurde ich dann auch bei den härteren Sachen zunehmend wählerischer und kann guten Gewissens behaupten in den letzten acht Jahren zum Beispiel keinen Vodka o.ä. bei einem der diversen Discounter gekauft zu haben. Zwar sehe ich es immer noch nicht ein eine 20€-Flasche guten Rums auf einem Rumkuchen zu verteilen oder Gästen, die diesen dann eh nur mit Cola und Eiswürfeln vermischen, was von meinem guten Whisky anzubieten – aber ansonsten bin ich dazu übergangen, gerne ein paar Euro mehr zu zahlen. Bacardi, also der alte, schmeckt einfach viel besser als „Ronny“ vom Discounter.

Beim Wein hat das ganze noch etwas länger gedauert. Ich war lange überhaupt kein Weintrinker. Das lag vermutlich daran, dass ich lange keinen wirklich guten Wein getrunken hatte. Sondern Weine vom Discounter oder zwar aus „vernünftigen“ Supermärkten, dort aber eher aus dem Niedrigpreissegment. Sulfit und Kopfschmerzen, ahoi!
Inzwischen habe ich mich dann aber auch hier auf ein paar Standards eingeschossen. Zum Beispiel Weine der Firma Schneekloth. Da zahlt man dann für den Cabernet Sauvignon pro Flasche zwar gleich mehr als für den 6er-Karton Rotwein bei Penny um die Ecke – aber das merkt man dann auch. Geschmacklich und auch am nächsten Morgen. Ebenfalls zu meinen Standards gehört der italienische Rotwein „Piemonte Barbera“ vonViticoltori dell‘ Acquese. Der einzige Discounter-Wein der noch in meinen Einkaufskorb wandert ist übrigens der „Senorio de Los Santos“. Ein leichter Bio-Weißwein der Airén-Rebe aus La Mancha, Spanien, von Aldi.
Ansonsten bin ich ein großer Freund von Spezialitäten und Ausgefallenem geworden. So bin ich zum Beispiel auf einen grandiosen Weißwein aus Spanien gestoßen: Oroya – Special for Sushi. Schmeckt aber auch ohne Sushi ganz gut. Wenn mich der Weinhändlicher nicht angelogen hat, wird dieser Wein von einer Japanerin in Spanien angebaut.
Ansonsten habe ich dank des Podcasts Die Drei Vogonen inzwischen sogar „meinen Winzer“ gefunden: Reis Feine Weine. Dieser versteht sich, soweit ich das bislang beurteilen kann, besonders gut auf süßlichere Riesling-Weine.?

Glück hat man, als jemand der gerne mehr für gute Getränke ausgibt, wenn man einen Freundeskreis hat in dem guter Wein gewürdigt und nicht wie Wasser runter gestürzt wird. In meinem Freundeskreis ist das zum Glück so. Immer seltener muss ich nach bei mir abgehaltenen Festivitäten mitgebrachte und entleerte „Viala“-Flaschen zum Glascontainer schleppen. Das liegt vermutlich maßgeblich daran, dass wir alle keine Schüler mehr sind, das Wochenende zu schätzen gelernt haben und nur noch ganz selten Lust haben, den Sonntag verkatert auf dem Sofa oder im Bett zu verbringen. Natürlich kann man sich auch mit gutem Wein ordentlich die Kante geben – aber in der Regel geht es einem am Tag danach eben nicht ganz so dreckig.

Richtig alt bin ich trotzdem nicht. Das ist besonders gut daran zu erkennen, dass es keine eigenen Partys speziell für meine Generation gibt. Ü30- und Ü40-Partys, klar. Gibt’s wie Öl im Golf von Mexiko. Aber wer hätte denn bitte je von einer Ü24-aber-U30-Party gehört? Richtig alt wird man eben erst ab 30. Und ab 40 sollte man sich dann wohl wirklich mal Gedanken über ein der letzten Textzeile Kurt Cobains machen: „it’s better to burn out than to fade away“. Auch wenn ich das vermutlich mit Ende 30… äh… in 3 Fußballweltmeisterschaften anders sehen werde.

Was der aktuell beste Spieler der Welt wohl für Wein trinkt?

Published inAllgemein

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  1. Muck Muck

    dfd

  2. Muck Muck

    Die Behauptung genau „ab 30 wird man alt“ ist schwachsinnig. Das Altern ist ein kontinuierlicher Prozess und beginnt eigentlich schon mit/seit der Geburt. Du bist also schon längst mittendrin im Altersprozess. Mit 30 gehst du (gesellschaftlich gesehen) immernoch als jung durch. Also keine Angst.

    Allerdings muss ich dich leider enttäuschen- es gibt sehr wohl Ü25- Parties. Gib mal „Ü-25 Party“ bei Google ein. Tja…

    Und da du in diesem Jahr schon 28 wirst bzw. vielleicht schon bist, kannst du dich da ruhig schon mal blicken lassen. 😉

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