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Fernsehen 2014

Ich habe mich hier schon häufiger darüber ausgelassen, was ich alles Scheiße finde wenn es zum Thema TV/Filme/Video-Entertainment in der Gegenwart kommt. Ich habe mir jetzt mal ein paar Gedanken darüber gemacht, was ich vom „Fernsehen“ erwarte. Am liebsten 2014 schon. Denn alles, was ich hier beschreibe ist keine „rocket science“. Das ist alles schon jetzt machbar. Eigentlich schon seit ein paar Jahren.

1. Dumme Displays
Hört endlich mit diesen dämlichen „Smart TV“-Dingern auf. Eure Software ist hässlich und lahm. Niemand will das wirklich benutzen. Es ist allerhöchsten eins Notbehelf. Verkauft mir einfach wieder dumme Displays. Große Monitore. Sie sollen einen An-/Aus-Schalter, diverse Eingänge und ein Menü zur Anpassung der Darstellung (Helligkeit, Kontrast, …) und so weiter haben. Dann ist aber auch Schluss.
Dafür könnt ihr die Dinger gerne wieder etwas Dicker machen oder alternativ brauchbare externe Lautsprecher mit ins Paket legen. Oder legt Rabattkarten zu euren Fernsehern. „Kaufen Sie einen aktuellen LG-Fernseher und sichern Sie sich 30% Rabatt auf ein Bose-Soundsystem!“ – oder so ähnlich.

2. Apple TV
Wir brauchen kein „Smart“ im Fernseher, weil wir inzwischen „Smart“ in unseren Telefonen, Tablets und Computer haben. Genau deshalb wird Apple auch kein Fernsehgerät bauen sondern schön bei der kleinen, schwarzen Apple-TV-Box bleiben. Die muss allerdings gehörig aufgebohrt werden. Vor allem muss Apple hier endlich Apps zulassen, damit ich mir zum Beispiel die „ZDF neo“-App installieren und dann den Live-Stream aus dem Internet direkt über Apple TV auf meinem Fernseher gucken kann.
Das möge dann bitte für jeden TV-Sender gehen. Und zwar weltweit. Es gibt überhaupt keinen Grund dafür, dass ich in Deutschland nicht HBO gucken können sollte. Aber dazu komme ich etwas später noch.
Darüber hinaus braucht Apple TV wieder eine Festplatte. Oder eine Anbindung an einen Cloud-Speicher (iCloud?) in dem ich aufgenommene TV-Sendungen speichern und idealerweise von überall aus ansehen kann. Außerdem möchte ich aufgenommene Inhalte anderen zur Verfügung stellen können. Von mir aus auch einem irgendwie limitierten Personenkreis. 

3. Private Sender bei Nicht-Live-Sendungen ohne Werbung gegen Bezahlung
Ich möchte bitte schön private Sender dafür bezahlen können, mir keine Werbung zu zeigen. Sie interessiert mich nämlich nicht. Und Produkte, die mein Filmvergnügen unterbrechen kaufe ich sogar extra nicht. Aus Protest. So albern das auch ist. Was spricht aber dagegen, dass mir beispielsweise Pro 7 vor jedem „Blockbuster“ kurz einblendet: „Dieser Film hat eine Spielzeit von 97 Minuten. Mit Werbung 120 Minuten. Klicken Sie jetzt auf Kaufen, um den Film für 1,99 Euro werbefrei zu genießen. Klicken Sie auf weiter, um den Film werbefinanziert zu sehen.“ Voll toll oder? Natürlich, bei Live-Sendungen wird so etwas schwierig, sehe ich ein. Hier müssen ja Zahler und Nichtzahler zur selben Zeit das selbe sehen. Aber vielleicht könnte man hier die Werbepausen effizienter nutzen. Wenn ich 1,99 Euro bezahlt habe, um das Champions-League-Finale werbefrei zu sehen, muss ich mir dann vielleicht nicht fünf Mal den selben Spot ansehen, sondern bekomme während andere Werbung sehen ein paar Spielszenen wiederholt. Vielleicht verbunden mit einer ausführlicheren Analyse.
Die Krönung ist dann das „No-Ads-Abo“. Hier bezahle ich dem ansonsten werbefinanzierten Sender meiner Wahl einen fixen Betrag von, sagen wir einfach mal, 9,99 Euro im Monat, um das komplette Programm ohne Werbung zu sehen.

4. Ansprechende Werbung (Targeting)
In Ermangelung eines primären weiblichen Geschlechtsorgans habe ich auch äußerst wenig Interesse an Hygiene- und Pflegeprodukte für diesen Körperbereich. Ich muss dafür nicht fünf Mal am Tag Werbung sehen. Ich werde dieses Produkt auch dann nicht kaufen, wenn mir ausschließlich dieser Werbespot gezeigt wird. Wenn ich TV über das Internet gucke, wohlmöglich in Verbindung mit meiner Apple-ID (oder irgendeinem sonstigen Konto), dann wissen die TV-Macher viel genauer, wer was wann guckt und können nicht nur das Programm entsprechend optimieren, sondern auch Werbung gezielter verkaufen. Ähnlich wie bei Facebook könnte dann RTL potenziellen Werbekunden anbieten: „Wir zeigen euren Spot für den neuen tollen Herrenrasierer mit 100 Klingen und Vibrations-Dingsi ausschließlich jenen Zuschauern, die angegeben haben, dass Sie a) männlich, b) zwischen 15 und 45 Jahren alt sind und c) die in einer Region wohnen, wo das Durchschnittseinkommen erwarten lässt, dass sie genug Geld haben, sich nicht einen Sack voll Einwegrasier beim Discounter kaufen zu müssen.“ 
Win-Win-Win: Werber zahlen nicht mehr dafür, dass die Spots blind gestreut werden. TV-Sender können verschiedene Preis-Modelle anbieten, je nach dem wie genau das Targeting vorgenommen wird. Und ich als Zuschauer sehe keine Spots mehr für Intimbereichs-Creme. 

5. US-Serien im günstigen Direkt-Abo
Warum zur Hölle kann ich 2013 noch nicht HBO Geld dafür geben, Game of Thrones sehen zu dürfen? Klar, HBO bekommt Geld von dem deutschen Privatsender, der die Rechte daran kauft. Dort sehe ich es dann aber erstens Ewigkeiten später als die Erstausstrahlung und laufe Gefahr mir vom „Internet“ alle Überraschungen kaputt machen zu lassen. Außerdem habe ich so in der Regel keine Wahl, die Serie(n) im Originalton zu gucken. Dafür müsste ich dann Sky kaufen und  „Atlantic HD“ dazu buchen. Da sieht man Serien zeitnah und auch im Originalton. Doof nur: 8 von 10 Serien die dort laufen interessieren mich nicht und ich möchte sie auch nicht mitbezahlen.
Also gucke ich Game of Thrones auf irgendwelchen Online-Videoportalen und HBO sieht keinen Cent von mir. Nicht mal indirekt, weil ich die Sendungen später ja nicht nochmals gucke. Also auf irgendeinem deutschen Sender. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass genug Leute ohne mit der Wimper zu zucken 1-2 Euro pro Game of Thrones-Folge zahlen würden, wenn Sie sie zeitgleich mit der oder direkt nach der Erstausstrahlung im US-Fernsehen in FullHD via Webstream sehen könnten. Gehen wir mal davon aus, dass HBO einen Preis von 1 Euro ansetzt und nur eine Million Menschen weltweit (das halte ich für wirklich nicht viel) ein Staffel-Abo abschließt. Dann sind das bei 12 Folgen 12 Millionen Euro extra. On top.

Ich erwarte, dass diese Punkte zügig in nächster Zeit Schritt für Schritt abgearbeitet werden. Denn wie zuerst die Musikindustrie und jetzt die schreibende Zunft (der ich inzwischen ja auch angehöre), wird das Fernsehen in Bälde erkennen müssen, dass das alte Verdienstmodell ausgedient hat. Das Fernsehen muss sich neu erfinden. Und das sowohl technisch als auch inhaltlich. Ich jedenfalls habe meinem „Fernsehvertrag“ zum nächstmöglichen Zeitpunkt (März 2014) gekündigt. Im Privatfernsehen kommt ohnehin nur noch Schrott und Raab (einige mögen da nicht unterscheiden – ich schon). Ich gucke also sowieso überwiegend ARD/ZDF und angeschlossene Sender. Die Ausnahmen zu dieser Regel bilden Pro 7 (bei Raab-Events) und RTL (bei Formel 1 und Klitschko-Kämpfen). Ich höre schon das Argument, dass im Privatfernsehen aber immer aktuelle Blockbuster gezeigt werden. Jo. Aber wie viele davon gucke ich so pro Monat? Einen, zwei wenn’s hochkommt. Für Fernsehen mit HD und allem Schischi zahlt man locker über 20 Euro im Monat. Dafür kann ich vier topaktuelle Filme bei iTunes und Konsorten leihen und dann ohne Werbung gucken. Ganz abgesehen von der inzwischen wirklich guten Auswahl (wenn auch längst nicht so aktuell wie „echtes Fernsehen“), die Watchever und Co bieten (9 Euro/Monat). 

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