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Feiertage

Seit ziemlich genau einem halben Jahr bin ich inzwischen ordentlicher Angestellter und komme seit dem in den Genuss, Feiertage auch wirklich feiern zu können. Beziehungsweise an den Abenden vor den Feiertagen feiern zu können. Denn bislang galt für mich immer: Ein Feiertag ist ein Tag an dem ich kein Geld verdiene. Es sei denn, ich „verschwende“ einen Tag meines Jahresurlaubs darauf.

Dieser Mai ist ein Monat, in dem ich mich vor zusätzlichen freien Tagen gar nicht retten kann. 1. Mai, Christi Himmelfahrt, Pfingsten. Und die ersten beiden liegen so günstig, dass man mit drei Urlaubstagen auf ein mal fünf und ein mal vier freie Tage am Stück kommt. Super.

Christen-Feiertage

Die meisten deutschen Feiertage sind allerdings christlicher Natur und da habe ich so ein paar Probleme mit. Erstens bin ich kein Christ und zweitens halte ich Religion per se für schädlich und drittens bin ich sehr für die absolute Trennung von Kirche und Staat. Irgendwie finde ich solche Tage immer merkwürdig. Ja, man hat frei und das ist natürlich toll. Aber an vielen Feiertagen weiß ich überhaupt nicht, weshalb ich frei habe. Und wenn man sich dann damit beschäftigt, wird einen schnell klar, was für einem nahezu okkulten Quatsch man da feiert. Tote werden wieder zum Leben erweckt und so. Eine echte Ausnahme bildet Weihnachten. Vermutlich weil es das einzige Fest ist, dass wirklich ausgiebig zelebriert wird und dem man nicht ausweichen kann. Ich wette, mehr als die Hälfte der nächsten Donnerstag freihabenden Bevölkerung weiß nicht, wieso sie da frei hat.

Religiöse Feiertage abschaffen

Streng genommen müsste ich also dafür sein, religiöse Feiertage einzustampfen. Noch strenger genommen müsste ich also dafür sein, religiöse Feiertage ersatzlos einzustampfen. Ersatzlos, weil alles andere Quatsch wäre. „Ich bin zwar kein Christ aber wenn ihr mir meinen christlichen Feiertag wegnehmt, will ich dafür angemessen entschädigt werden!“ – Klappt nicht.

Mir ist allerdings sehr wohl bewusst, dass das ersatzlose Streichen von diesen Feiertagen nicht passieren wird. Dafür gibt es keine Mehrheit. Und, mal ganz ehrlich: Wer will schon freiwillig auf freie Tage verzichten? Zumal solche, um die man nicht mal verhandeln muss? Trotzdem bin ich sehr dafür, den ganzen religiösen Firlefanz auch so weit vom Staat zu trennen, dass diese Feiertage eben nicht mehr automatisch frei sind.

Alternative A: Staatsfeiertage

Ich glaube, es ist breiter Konsens, dass „der Deutsche“ nicht explizit dem Pfingstmontag, sondern lediglich einem freien Tag nachtrauern würde. Man könnte religiöse Feiertage in ihrer Anzahl also durch so etwas wie „Staatsfeiertage“ ersetzen. Karfreitag und Ostermontag fallen weg, dafür feiern wir ab jetzt das Ende des zweiten Weltkriegs und die Befreiung von Auschwitz mit einem freien Tag. Statt Pfingstmontag die Einführung des Wahlrechts für Frauen. Und so weiter. Das hat zwei Vorteile gegenüber der kompletten Abschaffung. Erstens geht nur ein Teil der Bevölkerung auf die Barrikaden, die Hard-Core-Christen nämlich, und zweitens kann man damit Tage wie zum Beispiel die Gründung der Europäischen Union, die wirklich ausnahmslos alle Menschen, die in diesem Staat leben, direkt betreffen würdigen. Nicht nur solche, die für eine Minderheit wirkliche Bedeutung haben.

Alternative B: Komplett freie Wahl

Sollte man zu der Auffassung gelangen, dass Religionen eine zu wichtige Rolle in diesem Staat spielen, könnte man jedem Bürger die Wahl der Feiertage freistellen. Man kann ja leicht ermitteln, wie viele religiöse Feiertage der Deutsche im Schnitt pro Jahr hat und addiert diese Anzahl einfach zu der im Bundesurlaubsgesetz festgeschriebenen Anzahl von Mindesturlaubstagen pro Jahr. So wird zum Einen die Trennung von Kirche und Staat erreicht und zum Anderen werden Menschen nicht in der Anzahl ihrer freien Tage beschnitten, für die es inzwischen ja schon so etwas wie ein Gewohnheitsrecht gibt.

Wirklich religiösen Menschen kann man dann noch in so weit entgegen kommen, dass man Ihnen das Recht einräumt an für sie wichtigen religiösen Feiertagen garantiert frei nehmen zu können. Damit Cheffe nicht sagen kann „Ja, feiere doch ruhig deinen Pfingstmontag – aber mach das bitte schön gefälligst hier im Büro, da gibt’s keinen Urlaub!“. Aber das muss dann halt auch für jede Religion gelten und seitens des Arbeitnehmers verbindlich für, sagen wir, ein Jahr, damit er sich nicht heute als Christ, morgen als Moslem und übermorgen als Buddhist fühlt, um alle Feiertage mitnehmen zu können.

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