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Eric Schmidt als neuer Apple CEO?

Ja, ja, ich weiß… auf die ersten zwei bis zehn Blicke ist das eine reichlich abstruse Vorstellung. But then again…

Der status quo:
Steve Jobs ist nicht wieder sondern immer noch krank. Gerade, offensichtlich, mal wieder etwas ernster als die letzte Zeit über. Krank genug, dass der unbestrittene Workaholic sich erneut eine Pause gönnen muss. Wie wir bei den letzten Auszeiten gelernt haben, tut er das nicht wenn er mal eine Grippe hat. Die letzten Gründe, falls irgendjemand es vergessen haben sollte, waren Krebs und eine Lebertransplantation. Ich denke, dass man davon ausgehen kann, dass das jetztige Krankheitsbild aus einer ähnlichen Liga stammt.

Wann und ob Steve Jobs zurück kommt ist völlig offen. Er hofft, bald zurück kommen zu können. Das kann zweierlei heißen: entweder er hofft BALD (also im Sinne von „rather sooner than later“) zurück zu sein oder er HOFFT bald (also im Sinne von „überhaupt“) wieder zurück zu sein.

Wer kann ihn im Falle des Falles aus den eigenen Reihen beerben?
Jonathan Ive. Vermutlich teilt niemand sonst den Hang zum „workaholic-ismus“ und zur Perfektion so sehr mit Jobs wie der Chef-Designer. Aus den diversen Produktvideos lässt sich auch leicht erkennen: niemand sonst ist so begeistert von den eigenen Produkten wie der charismatische Brite. Allerdings ist Ive zu ruhig, nicht Rampensau genug. Ihm würde es nicht so sehr wie Jobs gelingen, die Leute mitzunehmen. Aber das dürfte ohnehin das Hauptproblem für jeden sein.

Phil „the filler“ Schiller. Er ist ein Bühnenmensch und schon ewig bei Apple. Außerdem ein bekanntes, ein vertrautes Gesicht. Er strahlt viel Professionalität und Ruhe aus, ist Detailverliebt. In meinen Augen ist er aber schon zu „verbraucht“ um als „der neue Stern“ zu gelten.

Tim Cook. Sicherlich eins der wahren Genies in hinter Jobs. So wie ich Apples Weg von den frühen 1990ern bis heute einschätze… ohne Tim Cook würden wir heute in einer Welt ohne Apple leben. Tim Cook ist ein Zahlenmensch. Er versteht viel von Finanzen und hat den nötigen Weitblick in Wirtschaftsfragen, um Investitionen rechtzeitig zu tätigen, die Weichen zu stellen bevor es zur Katastrophe kommt. Tim Cook ist allerdings auch der Mann bei Apple, dem es selbst bei der Präsentation des ersten iPhones gelungen wäre mich einzuschläfern. Marketing ist nicht seins. Deshalb darf er ja auch schon jetzt nur auf die Bühne, um zu erzählen, wie gut es Apple geht und wie toll doch die Apple Stores funktionieren. Fünf Minuten Bühnenzeit sind das Maximum für ihn. Dann muss wieder ein anderer ans Mikrofon und ein mal laut „Hallo! Wach!“ rufen.

Bleibt Scott Forstall. Einer der Köpfe hinter dem iPhone und iOS, dem Segment, das Apple momentan die höchsten Gewinne beschert. Bislang durfte er jedoch fast ausschließlich trockene Themen präsentieren und was über neue APIs in iOS erzählen. Dinge, die nur für das Fachpublikum wirklich interessant sind. Ich nehme an, dass Apple die aktuelle Jobs-Auszeit nutzen wird, um ihm mehr Bühnenzeit einzuräumen, quasi als Chance sich für Größeres zu empfehlen. Forstall ist dabei aber noch der Jüngste aus der Riege… keine Ahnung, ob das zu einem „Problem“ werden könnte.

Sollte keiner dieser vier „Apple’s Next Top CEO“ werden können/dürfen/wollen, muss ein Externer her. Und damit hat Apple ja schon mal ziemlich tief ins Klo gegriffen. Wir erinnern uns kurz zurück an den Zuckerwasserverkäufer Sculley
Wer ist aus der Branche, hat sich nicht allzu viele Fehltritte geleistet, verfügt über ein überwiegend positives Ansehen und hat gerade Zeit? Richtig: Eric Schmidt.

Eric Schmidt wurde gerade vom Posten des CEO bei Google weggelobt und ist jetzt sowas wie die Kontaktperson für große Unternehmen, Regierungen etc. im Hause Google.
Natürlich: er hat gesagt, dass er noch plane mindestens 10 weitere Jahre bei Google zu bleiben. Aber das muss ja nichts heißen. Auch steht in seinem neuen Vertrag, dass er das versprochene Handgeld von 100.000.000 US-Dollar erst nach weiteren 6 Jahren im Google-Konzern ausgezahlt bekommt. Aber das ist lachhaft wenig für einen Mann, der bereits irgendetwas oberhalb der 4 Mrd. Dollar besitzt. Sollte Apple wirklich anklopfen – ich denke nicht, dass Schmidt den 100.000.000 Dollar lange nachtrauern würde.

Was spricht gegen Schmidt? Schmidt wirkt seit jeher nicht wie ein Visionär. Er hat, wie ich glaube, tatsächlich all die Jahre nur aufgepasst, dass Larry und Sergey Google nicht vor die Wand fahren. Er selbst sprach immer von „adult supervision“.

Guckt man sich aber den Weg von Google an, so ist nicht von der Hand zu weisen, dass Schmidt es offensichtlich versteht, einen Riesenkonzern zu führen und den einzelnen Mitarbeitern und Teams genug Freiraum zu lassen, um Dinge auszuprobieren und Innovationen herbei zu führen. Google Mail, Maps, Earth, Chrome, Wave, Voice, Priority Inbox, …

Vermutlich gilt für Schmidt am Ende dann aber doch das gleich wie für Cook: der geeignete Mann für hinter den Kulissen. Aber niemand, der Steve Jobs beerben kann. Ob die beiden wohl damals beim Kaffee darüber gesprochen haben?

Also ruhen sämtliche Hoffnungen für Apple weiterhin darauf, dass Jobs zurück kommt. Aber vielleicht ist diese zweite Auszeit ja Warnschuss genug für Apple und Jobs selbst, um zu merken, dass es Zeit wird einen Kronprinzen in Position zu bringen…

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