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Ein Hand voll Kieler hat gewählt.

Es ist mal wieder ein trauriger Abend für die Demokratie im Allgemeinen und für die Demokratie in Kiel im Besonderen. Rund 197.000 Wähler und Wählerinnen waren heute Aufgerufen, zum Einen über den neuen Oberbürgermeister Kiels und zum Anderen über die Ansiedelung von “Möbel Kraft” in Kiel zu entscheiden.
Ulf Kämpfer, der Gemeinschafts-Kandidat von rot/grün/blau setzt sich im ersten Wahlgang mit rund 63% der Stimmen gegen Stefan Kruber (CDU, 28%) und Detlef Hackethal (Einzelbewerber, 9%) durch. Das kling erstmal nach einem ordentlichen Ergebnis. Ist es ja eigentlich auch.

Erschreckend wird’s wie immer, wenn man das in “echte” Zahlen umrechnet. Denn die Wahlbeteiligung lang bei ziemlich genau 45,5%. Das heißt von den rund 197.000 möglichen Stimmen wurden überhaupt nur etwa 89.600 Stimmen abgegeben. Davon hat der neue Kieler OB Kämpfer 63%, also etwa 56.400 erhalten. “In echt” wurde er also nur von knapp 29% der Wahlberechtigten gewählt.

Ich weiß, dass man das so wirklich nicht rechnen kann. Ich mache es aber trotzdem mal (wieder): Wenn man von allen Kieler Einwohnern ausgeht (etwa 240000 – also inklusive derer, die nicht wählen durften), hat der Wahlsieger sogar nur etwa 23,5% der Stimmen auf sich vereinen können.

Für gewöhnlich würde ich hier wieder mein altbekanntes Argument auspacken, dass man vielleicht einfach alles beim Alten belassen sollte, wenn sich nicht mal ein Drittel der aufgerufenen Wählerschaft für einen neuen OB aussprechen kann. Aber dieses Mal war der OB-Sessel nach dem desaströsen Intermezzo von Frau Gaschke ja vakant und es muss jetzt einfach ein neuer her.

Es ist wirklich jammerschade, dass sich kaum jemand dafür interessiert, wer in den nächsten Jahren für viele Entscheidungen, die die Stadt, in der sie leben, betreffen verantwortlich zeichnen wird. Andererseits: Selbst ich als wahrlich politischer und politisch interessierter Mensch denke mir oft genug, dass es praktisch egal ist, wer den Hut auf hat. Bergab geht’s eh. Vielleicht wäre eine “negative Wahl” mal ein Modell, das frischen Wind in die Sache bringt. Dabei stimmte man nicht für einen Kandidaten, sondern verteilte Negativ-Stimmen an die Kandidaten, die man auf gar keinen Fall im OB-Sessel sehen möchte. Quasi ein Wahlzettel, der aussagt: Ob A oder B ist mir egal, Hauptsache nicht C und D. Und es gewinnt dann logsicher Weise derjenige, der am wenigsten Minus-Punke bekommen hat. Ich weiß nicht, ob das irgendetwas besser machen würde oder ob das vielleicht schon mal irgendwo ausprobiert worden ist. Aber wenn es der Mehrheit der Kieler ohnehin egal ist, wer Oberbürgermeister wird, hat man doch eigentlich genug Luft für Experimente, oder? 

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2 Comments

  1. 1. Das wichtigste an Wahlen ist, dass es sie gibt. So sind geregelte Machtübergaben sichergestellt. Wenn also jemand einen richtig schlechten Job macht, kann man ihn so loswerden. Man ist dann nicht mehr drauf angewiesen, dass der Tyrann wohlwollend ist. Man wird ihn los, bevor er Tyrann wird bzw. er muss wohlwollend sein, weil er sonst nicht wiedergewählt wird. Dazu reicht es auch, wenn alle nur das Wahlrecht haben – es aber nicht unbedingt nutzen. Denn immerhin haben sie nicht gegen den Sieger gestimmt.
    2. Natürlich stärken viele Stimmen das Mandat des Siegers und somit würde auch dessen Politik kraftvoller.
    3. Das war schon eine Rekordbeteiligung. Die Leute findens einfach nicht so wichtig. Am Angebot kanns nicht so richtig liegen: Bei der letzten Wahl gabs 8 Kandidaten vom Occupy-Menschen bis zum Nazi. Da waren, trotz eines Angebots für jeden, nur 30% wählen. Und Superman und Heidi Klum stellen sich nunmal nicht zur Wahl.

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