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Die Telekom macht das Internet funktional kaputt

So, nun ist es offiziell. Wer ab dem 02.05.2013 Internet bei der Telekom kauft, wird nach einem Volumen von, je nach Tarif, 75 bis 400GB auf 384Kbit/s gedrosselt. Damals, in der schlechten Zeit, als ADSL („T-DSL“) noch richtig, richtig langsam war, hatte man übrigens eine Geschwindigkeit von 768Kbit/s.

Bei dem besten/teuersten Tarif, den die Telekom einem ohne Glasfaserkabel anbietet (VDSL mit 50Mbit/s) greift diese Drosselung dann nach 200GB. Wenn man zum Beispiel „Der Hobbit“ bei iTunes in HD (in diesem konkreten Fall heißt HD sogar nur 720p) ausleiht sind das mal eben 6,5GB. Bei „Cloud Atlas“ sind’s sogar 6,8GB, während ein durchschnittlich langer Film wie „Man tut was man kann“ auf 3,7GB kommt. Wer einen Apple TV sein Eigen nennt, kommt sogar in den Genuss von Full-HD-Filmen (1080p), die sogar noch größer sind.

Dank iTunes Match habe ich keine Musik mehr auf meinem Rechner sonder streame alles aus der Cloud. Außerdem habe ich diverse Podcasts abonniert, gucke viel YouTube, nutze Dropbox, lade meine Fotos auf Flickr, lege meine Backups online ab, … Mit anderen Worten: Ich nutze das Internet ganz normal. OK, vielleicht bis auf die Sache mit den Online-Backups. Das hat sich in Deutschland noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Die Telekom macht mir jetzt nach 200GB die Leitung zu. OK, ich habe Glück im Unglück und bin schon Kunde, werde also nur auf 6Mbit/s gedrosselt. Aber das in einer Zeit, in der man in Japan für um die 40 Euro Internet mit 1Gbit/s kaufen kann. Das in einer Zeit, in der Google in den USA Glasfaser-Internetzugäng praktisch verschenkt.

Die Telekom führt Deutschland zurück in die „dark ages“ des Internet. Vermutlich gibt’s auch bald wieder günstigere und teurere Internet-Zeiten. Wer sein VDSL tagsüber nutzt bekommt nur jedes zweite Bit gegen sein Volumen gerechnet. Abends dafür das 1,5-fache. Oder umgekehrt. Mondscheintarif.

Neben dieser ganzen Sch… birgt das auch noch die Gefahr eines neuen Volkssports: Telekom-DSLs-runterfahren. Wenn ich bei einem Provider ohne Drosselung bin und deine Telekom-IP-Adresse kenne, kann ich da doch ungehindert Daten drauf ballern. Das mache ich am zweiten eines Monats einfach mal zwei, oder drei Stunde lang und schon surfst du nur noch mit 348Kbit/s. Oder noch besser: Ich mache das von einem gut angebundenen Server aus. Dann geht’s noch schneller.
Oder noch besser: Die Telekom macht das einfach selbst. Ich will denen das jetzt nicht unterstellen. Aber das wäre ein weiteres interessantes Modell für Mehreinnahmen. Denn man wird wohl zusätzliches Volumen kaufen können. Lass die doch mal nur 3% ihrer Kunden im Monat durch eine „Panne“ mit Daten zuscheißen. Wenn davon nur jeder zweite 5 Euro nachwirft, weil er auch die restlichen 20 Tage des Monats noch YouTube gucken können will…

Oh, und dann ist da noch die Problematik der Netzneutralität. Denn die Telekom-Bits (Videoload, T-Entertain) zählen natürlich nicht gegen das Limit. Somit muss ich nicht nur überlegen, ob ein Film z.B. bei Videoload oder iTunes günstiger zu haben ist, ich muss auch noch einkalkulieren, ob mich der Film bei iTunes zwar 50 Cent weniger kostet, mich dafür aber vielleicht über mein Monats-Limit schiebt. Völliger Irrsinn. Aber vielleicht kann man dann ja bald für 10€/Monat eine iTunes-Flatrate oder eine YouTube-Flatrate dazu kaufen. Mit Spotify machen sie’s ja schon jetzt so…

Na ja, wer das ganze noch mal wirklich gut aufbereitet hören möchte, hört bei Clemens/David rein. Viel Spaß und seht zu, dass ihr von der Telekom weg kommt. Auch wenn die Telekom sagt, sie werde diese Drosselung technisch nicht vor 2016 umsetzen können. Weiß man’s? In den Verträgen steht’s drin und es kommt, wenn’s kommt.

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