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Buch-Rezension: The Presentation Secrets of Steve Jobs

Ich habe seit Ewigkeiten nichts mehr über ein Buch geschrieben. Hier im Blog sogar noch gar nicht. Vermutlich zuletzt in der Schule…

In den letzten Tagen und Wochen habe ich mich mit Carmine Gallos Ratgeber „The Presentation Secrets of Steve Jobs. How to Be Insanely Great in Front of Any Audience“ beschäftigt.

Um’s gleich vorweg zu nehmen: ein gut geschriebenes Buch, das jedoch nichts wirklich Neues präsentiert. Auf sämtliche Tipps könnte man auch kommen indem man sich einfach mal ein paar von Steve Jobs Keynotes anguckt. Trotzdem ist es nett das Ganze mal textlich aufbereitet, hier und da mit wissenschaftlichen Fakten unterfüttert und kompakt vor sich zu haben.
Carmine Gallo ist Kolumnist für Businessweek.com und schimpft sich laut Klappentext „presentation and media-trainer“. Außerdem ist er „communication-skills coach for the world’s most admired brands“ und war für diverse TV-Sender und Zeitschriften tätig.

Wie er sich als „media-trainer“ macht weiß ich nicht – schreiben kann er jedenfalls.

Gallo will in seinem Buch erklären, warum Steve Jobs‘ Keynotes so gut sind, wie sie sind und dem Leser helfen, einen ähnlichen Grad an Perfektion zu erreichen. Er hat sich entschieden sein Buch in insgesamt drei Akte mit 18 Szenen zu unterteilen.

Die ersten 10 Szenen bilden den ersten Akt „Create the Story“. Hier erklärt Gallo, wie wichtig es ist, nicht nur sein Produkt zu bewerben, sondern eine Geschichte zu entwickeln. Eine Geschichte im klassischen Sinn. Eine gute Präsentation brauche einen „bad guy“, entweder einen Konkurrenten im Markt oder schlicht einen Missstand, den der „good guy“, das eigene Produkt, beheben soll.
Natürlich führt er hier als Beispiel Jobs‘ Präsentation des iPhones von 2007 an. Jobs nahm sich zunächst die Zeit zu erklären, was andere Smartphones alles falsch machen, um dann zu erklären, warum das iPhone die Welt retten wird.
Wichtig ist es nach Gallo auch so früh wie möglich die alles entscheidende Frage des Publikums zu beantworten: „Warum sollte mich das interessieren?“

Als weiteren Präsentationstipp in Akt 1 beschreibt Gallo in Szene vier, weshalb es wichtig ist Twitter-artige Schlagzeilen auf die Folien zu schreiben.
Jobs mache es genau so. Kurze, knappe Sätze, die jedoch äußerst prägnant sind. Und das ist auch gleich das Elementare. Prägnante Sätze. „Apple reinvents the phone“, „The thinnest notebook ever“, „5.000 songs in your pocket“.
Sätze, die sich das Publikum merkt. Sätze, die Journalisten und Blogger aufgreifen und wiederverwerten werden. Jobs gelingt es so immer wieder die Schlagzeilen der Zeitungen und Blogs zu diktieren.

Ein letzer wichtiger und allgemeingültiger Tipp: die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen ist begrenzt. Gallo empfiehlt ca. alle 10 Minuten für Abwechslung auf der Bühne zu sorgen. Sei es durch ein Video, durch eine Produkt-Demonstration, durch einen anderen Redner, der für ein paar Minuten das Mikrofon übernimmt… Jobs‘ Präsentation sind voll von Demonstrationen und Gastrednern und werden häufig von neuen Werbefilmchen oder Interviews unterbrochen, bzw. aufgelockert.

In Akt 2, „Deliver the Experience“, bemüht sich Gallo im Wesentlichen die gewonnen Kenntnisse aus Akt 1 zu vertiefen, bzw. zur Anwendung zu bringen. Die Szenen 8, 9 und 10 lassen sich mit „Keep it simple, stupid“ zusammenfassen. Die Folien nicht überladen, Zahlen verständlich machen (nicht „5 GB Speicherplatz“ sondern „5000 Songs in your pocket“) und „amazingly zippy“ Wörter benutzen. Jobs‘ Präsentation bestehen gefühlt zu 50% aus den Worten „amazing“, „extraordinary“, „cool“ und „boom“.

Ein wirkliches Jobs-Highlight beschreibt Gallo in Szene 13: „Reveal a ‚Holy Shit‘ Moment“. Szene 13 beginnt mit einem Zitat von Maya Angelou: „People will forget what you said, people will forget what you did, but people will never forget how you made them feel.“
Gallo will den Leser dazu ermutigen auch wichtige Dinge wegzulassen. Das neue Produkt mag 1000 tolle, neue und revolutionäre Features haben. Im Zweifel sei es jedoch besser nach allen Regeln der dramatischen Kunst auf einen Höhepunkt hin zu arbeiten, den dafür garantiert niemand vergessen wird. Niemand weiß noch welche technischen Spezifikationen das erste MacBook Air hatte. Aber jeder erinnert sich daran, dass Jobs minutenlang erklärt hat wie dünn das MacBook Air ist um es dann publikumswirksam zu präsentieren indem er es aus einem Briefumschlag zog. Das sei so ein „holy shit moment“ gewesen.

Der letzte Akt, „Refine and Rehearse“, besteht aus einer ganzen Reihe von „no-brainern“ („master stage presence“, „make it look effortless“ und der wahnsinnig bahnbrechende Tipp sich angemessen zu kleiden – mit dem Hinweis, dass es sich nicht jeder erlauben könne wie Jobs in Pullover, Jeans und Sportschuhen aufzutreten) und einem wirklich entscheidenem Tipp: „have fun“.
Man möge doch bitte Spaß bei der Präsentation haben und, wo es passt, auch gerne mal einen Witz einflechten. Darüber hinaus sei es nicht verboten zu zeigen, dass einem das „Produkt“, bzw. besser: der Präsentationsgegenstand, selbst gefällt.

Gallo gelingt die Erklärung all dieser Schritte hin zu einer „perfekten“ Präsentation sehr gut. Er benutzt äußerst viele Beispiele und Anekdoten um seine Punkte klar zu machen. Darüber hinaus nimmt er sich die Zeit ein paar wichtige „Jobs-Momente“ ausführlich zu diskutieren und zu analysieren.
Anhand von Tabellen zeigt Gallo auf, was Jobs erzählt und wie wenig Text sich auf den korrespondierenden Folien im Hintergrund befindet.

Das Buch ist gut zu lesen und beinhaltet zahlreiche Tipps für sämtliche Arten von Präsentationen. Ob man nun eine Geschäftsidee vor Investoren, ein neues Produkt vor potenziellen Kunden vorstellt oder doch „bloß“ ein Referat in der Schule oder an der Universität hält. In „The Presentation Secrets of Steve Jobs“ kann jeder etwas lernen – und wenn es nur ist, dass (und v.a. auch: warum) weniger häufig mehr ist.

Eine klare Kaufempfehlung für jeden, der häufiger vor größeren Menschenmengen sprechen darf. Oder muss.

Published inAllgemein

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  1. Hallo

    Habe das Buch auch schon seit längerem, aber kurz vor Ende hat mich die Langeweile gepackt und ich lese nun erst einmal woanders weiter.

    Das Buch ist prinzipiell wirklich interessant und du hast die Inhalte gut dargestellt. Was mich hingegen wirklich stört, ist das Gefühl der Schreiberling sei in Herrn Jobs verknallt. Klingt blöd, ist aber meine Meinung. 🙂
    Kann jetzt spontan keine genaue Stelle nennen, es ist einfach der allgemeine Schreibstil der einem das Gefühl gibt, der kleine Bruder schaut auf zum großen Bruder.

    Im großen und ganzen ein gutes Buch. Den 4. Teil aus der Dativ…. Reihe lese ich allerdings gerade mit mehr Enthusiasmus 😀

    • Stimmt. Hier und da kommt der „man crush“ für Jobs schon durch. 🙂

  2. Hallo

    Habe das Buch auch schon seit längerem, aber kurz vor Ende hat mich die Langeweile gepackt und ich lese nun erst einmal woanders weiter.

    Das Buch ist prinzipiell wirklich interessant und du hast die Inhalte gut dargestellt. Was mich hingegen wirklich stört, ist das Gefühl der Schreiberling sei in Herrn Jobs verknallt. Klingt blöd, ist aber meine Meinung. 🙂
    Kann jetzt spontan keine genaue Stelle nennen, es ist einfach der allgemeine Schreibstil der einem das Gefühl gibt, der kleine Bruder schaut auf zum großen Bruder.

    Im großen und ganzen ein gutes Buch. Den 4. Teil aus der Dativ…. Reihe lese ich allerdings gerade mit mehr Enthusiasmus 😀

    • Stimmt. Hier und da kommt der „man crush“ für Jobs schon durch. 🙂

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