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Apple ein Jahr nach Steve Jobs

5. Oktober 2012. Heute vor einem Jahr starb Steve Jobs. Anlass, um mal zurück zu blicken auf Apple im ersten Jahr nach Steve Jobs.

Viele hatten schon lange vor Steves Tod damit gerechnet, dass Apple mit einem Abschied des charismatischen Konzernlenkers eine Talfahrt antreten würde. Glücklicherweise ist genau das Gegenteil eingetreten. Nicht, dass das am Ableben Jobs‘ läge, aber vom 5.10.2011 bis zum 5.10.2012 hat sich der Börsenpreis für eine Apple-Aktie ziemlich genau verdoppelt. Apple lag in der Zwischenzeit, nämlich vor der Präsentation des iPhone 5, sogar noch besser, aber so ist das halt in der Technologie-Branche „buy on the rumor, sell on the news“. Der Einbruch nach der Vorstellung des neuen iPhones dürfte sich schlicht durch so genannte Mitnahmeeffekte erklären lassen, nicht durch die allseits kolportierte Enttäuschung über das iPhone 5.

Enttäuschung

Von dieser Enttäuschung hat übrigens dem Kunden offenbar auch noch keiner was erzählt. Die neueste iPhone-Generation verkauft sich wie geschnitten Brot und selbst die ein, bzw. zwei Jahre alten Vorgängermodelle sind immer noch gut im Rennen.

Überhaupt, das mit den ständigen Enttäuschungen. Wird euch das nicht bald selbst zu albern, liebe Qualitätsmedien? Das iPhone 4S war eine Enttäuschung, das neue iPad irgendwie auch und die neuen MacBooks sowieso und das neueste iPhone eben auch. Mit Zahlen lässt sich das freilich nicht belegen. Die Verkaufszahlen lagen/liegen jeweils deutlich über denen der jeweiligen Vorgängergeneration und erhöhte Rückgabequoten gibt es auch nicht.

Innovation

Natürlich, Apple steht für Innovation. Dieses Attribut hat man in Cupertino selbst gewählt. Und, ja, verglichen mit dem Innovationssprung des ersten iPhones gegenüber allem was davor auf dem Markt war ist der Innovationssprung des neuen iPhones gegenüber all seinen Vorgängern marginal. Aber mal ehrlich, was erwartet man eigentlich wenn man sich jetzt darüber beschwert?
Eine erneute Revolution in Bezug auf den Formfaktor? Das iPhone ist da unter den gegebenen Umständen und technischen Limitierungen ziemlich perfekt. Deshalb haben ja auch nach Veröffentlichung des ersten iPhones und bis heute alle Hersteller das Design in den wesentlichen Zügen kopiert.
Eine Apple-kritische Freundin von mir, die eigentlich ein Argument gegen Apples Patent-Klagen-Kreuzzug anbringen wollte sagte „Natürlich sehen die Samsung-Geräte genau so aus, wie sollte ein Smartphone denn sonst aussehen?“.
Recht hat sie; und damit auch gleich noch den wahren Innovationswert des iPhones in einem kleinen Satz beschrieben. Es gab schon hunderte Smartphones vor dem iPhone, keins hat sich wirklich durchgesetzt, keins hat eine Marschrichtung für die Industrie vorgegeben. Das hat erst Apple 2007 geschafft.

Steve Jobs hatte schon Recht als er bei der Präsentation des iPhone vor fünf Jahren sagte, dass man in seiner Branche sehr glücklich sein kann wenn man es schafft ein revolutionäres Produkt auf den Markt zu bringen und wie glücklich er sich schätze das mit der Maus und dem iPod gleich zwei Mal geschafft zu haben und dass er sich sicher sei, dass das iPhone das dritte Mal für Apple wäre.

Zwischen Maus und iPod lagen fast drei Jahrzehnte. Zwischen iPod und iPhone nicht mal mehr eins.
Ja, Apple weckt hohe Erwartungen. Aber die Erwartungen der Analysten sind nochmals deutlich überhöht und können nicht erfüllt werden.

Das iPhone ist im Prinzip fertig. Ja, hier und da wird es durch technischen Fortschritt noch Verbesserungen geben. Mehr Sensoren, dünner, schneller, besserer Akku. Aber die nächste Revolution in diesem Bereich liegt noch in ferner Zukunft. Vermutlich bei den als All-in-One-Geräte fungierenden Glasscheiben, die man aus Science Fiction-Filmen kennt.

Map-Gate, Dock-Connector-Gate, Scuff-Gate… alles Katastrophen. Eins nach dem anderen.

Ja, ganz offensichtlich haben mehrere Kunden verkratzte Geräte geliefert bekommen. Laut Apples Aussage lag das an einer kaputten Maschine in einem Werk. Wie diese Geräte durch die Qualitätskontrolle rutschen konnten ist mir schleierhaft – aber Apple tauscht diese Geräte selbstverständlich ohne Murren aus und eigentlich ist gar nichts los.

Der neue Lightning-Connector, der alles iPhone-Zubehör unbrauchbar macht. Ich glaube es war Tim Pritlove der sagte, dass der 30-Pin-Dock-Connector Apples SCART (kennt ihr noch, der breite unförmige Stecker mit ganz vielen Kontakten mit dem ihr früher VHS-Recorder und DVD-Player mit dem TV verbunden habt). Und damit hat er verdammt Recht. Das Ding ist 10 Jahre alt und an vielen Stellen überholt, bietet viele Funktionen, die nur noch ähnliche alte Geräte nutzen und nimmt viel Platz weg.
So weit, so gut. Darüber gibt es eigentlich auch keinen echten Disput. Geätzt wird dagegen, dass Apple sich auch mit dem neuen Modell dem MicroUSB-Standard widersetzt hat. Aber auch das aus guten Gründen. Ein Freund von mir Lädt sein iPhone im Auto mit einem MicroUSB-Dock-Connector-Adapter auf und musste auf meine Nachfrage zugeben, dass das iPhone damit verdammt langsam laden würden. Das geht einfach nicht. Wenn schon ein kleines iPhone damit nur langsam geladen wird, wie lange wird dann erst das große iPad brauchen? Und ja, Apple wird selbstverständlich den Lightning-Connector überall verbauen. Was wäre das denn bitte für ein Chaos wenn man im Prinzip drei Geräte (iPhone, iPad, iPod) anbietet und dafür zwei verschiedene Stecker-Modelle braucht? 
Darüber hinaus hat Apple sich einen Stecker gebaut, wie sie ihn brauchen. Er ist für iPhone/iPod/iPad ausgelegt und unterstützt sämtliche Features, die diese Geräte bieten. Es gibt keine Abstriche, keine Kompromisse.
Und sein bestes Feature: er lässt sich beidseitig verwenden. Nein, im Ernst, das finde ich wirklich großartig. Selbst herkömmliche USB-Stecker bekomme ich im Regelfall erst im dritten Anlauf korrekt in die Buchse.

Bleiben die Karten. „Mit Steve wäre das nicht passiert.“ Das bezweifle ich. Vielleicht(!) wäre Steve klug genug gewesen da im letzten Moment, wie bei Siri, ein „Beta“-Label draufzukleben, aber auch das halte ich für abwegig.
Die Karten sind technisch in vielen Belangen deutlich besser als die Google-Karten. Sie haben allerdings auch viele Fehler. Wie diese Zustande kommen ist mir völlig schleierhaft, kauft Apple die Daten doch bei TomTom, Yelp und anderen namhaften Firmen. Falsch gesetzte oder fehlende POIs (Points of Interest) sind das eine und normal und wird sich durch Nutzung selbst lösen. Fehlende Städte, falsche Straßen sind das andere. Hier hätte ich mehr erwartet.
Völlig Un-Steve-like war dann aber der offene Entschuldigungsbrief von Cook. Ich behaupte, DAS wäre unter Steve wirklich nicht passiert.

Fazit

Alles in allem hat Steve Apple in sehr gutem Zustand und mit sehr gutem Personal in der Führungsebene hinterlassen – und das zahlt sich jetzt aus. Ja, jedes Mal wenn Tim Cook die Bühne betritt denke ich daran, wie viel besser Jobs diese Auftritte hinbekommen hat. Aber ansonsten fehlt Steve Jobs dem Unternehmen nicht. Und diesen Übergang so gut geplant und umgesetzt zu haben, das ist seine größte Leistung.

Published inAllgemein

Ein Kommentar

  1. dfi dfi

    Die Maus wurde nicht von Apple erfunden…

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